Ein offener Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Leo XIV. entbrannte nach scharfer Kritik des Pontifex an der US-Politik im Iran. Trump reagierte verärgert, indem er seine Missbilligung über einen kritisierenden Papst zum Ausdruck brachte. SRF-Religionsredaktorin Judith Wipfler beleuchtet den Streit und die politische Haltung des Papstes.
Judith Wipfler ist eine Expertin für Religion bei SRF und erhielt 2021 einen Ehrendoktortitel von der Universität Bern. Schon mit seiner ersten Ansprache als Papst vertrat Leo XIV. den Frieden, indem er Gewalt und Krieg ablehnte und Solidarität mit Geflüchteten und Migranten forderte. Die Welt scheint ihm nun zuzuhören, besonders in Bezug auf die anhaltenden Konflikte im Iran.
Am Palmsonntag äußerte sich Leo XIV. deutlich: «Gott hört die Gebete derer nicht, die Krieg führen, sondern weist sie zurück», zitierte er Jesaja 1,15. Seine Warnungen blieben auch nach dem Bombenangriff der USA auf Nigeria am Weihnachtstag ungehört.
Der iranische Botschafter im Vatikan und die europäischen Friedensbefürworter schätzen seine Position. Emmanuel Macron besuchte den Papst, um sich in einem Dialog für den Frieden zu verbünden.
Donald Trump missfiel diese Entwicklung, was zu einer Eskalation an Ostern führte. Während der US-Präsident seinen Krieg gegen den Iran lobte, geißelte Leo XIV. die imperialistische Gewalt als «Götzendienst» von Macht und Geld.
Im Petersdom erneuerte Papst Leo seine Mahnung: «Schluss mit der Selbstvergötterung und dem Krieg!» Als Oberhaupt der weltweit größten christlichen Kirche übt er sein kritisches Prophetenamt aus, unbeeindruckt von den Mächtigen dieser Welt.
Trump bezeichnete Leo XIV. auf der Plattform Truth Social als «schwach im Umgang mit Kriminalität und eine Katastrophe in der Außenpolitik» und fügte hinzu, er wolle keinen Papst, der den US-Präsidenten kritisiere.
Papst Leo XIV. reagierte gelassen auf diese Vorwürfe während seiner Afrika-Reise: «Was ich sage, ist kein Angriff». Er betonte seine Friedensbotschaft und seinen Mut gegenüber der Trump-Regierung: «Ich werde weiterhin lautstark gegen den Krieg sprechen».
In Asien wie in Afrika zeigt Papst Leo XIV. Empathie für Menschen im globalen Süden, wobei er seine Agenda selbst bestimmt.