Einst Verbündete, sind Philip Nitschke und Ruedi Habegger nun erbitterte Gegner. Der Streit um die Einführung des Sarco-Suizidkapsels prägt das Bild der Schweizer Sterbehilfebranche. Die Organisation Pegasos, gegründet von Habegger in Nunningen, Solothurn, sollte den Sarco einführen, was jedoch zu Meinungsverschiedenheiten führte.
Habegger, ein ehemaliger Fotograf und Filmschaffender, der Wert auf Diskretion legt, steht im Gegensatz zu seinem einstigen Partner Nitschke, einem Verfechter von Aufmerksamkeit in der Sterbehilfepolitik. Ihre Zusammenarbeit begann 2014 über Exit International, was schließlich dazu führte, dass Pegasos zur Anlaufstelle für Mitglieder aus dem angelsächsischen Raum wurde.
Trotz eines juristischen Gutachtens, das keinen rechtlichen Hinderungsgrund sah, warnte Habegger vor einem voreiligen Einsatz des Sarco. Nachdem Nitschke unerwartet die Einführung 2022 ankündigte, entstand ein medialer Aufruhr und rechtliche Bedenken. Habegger hielt sich zurück mit der Nutzung und distanzierte seine Organisation von Nitschkes Ansatz.
Technische Probleme verschärften das Zerwürfnis: Fiona Stewarts Kontrolle über Pegasos-Systeme führte zu Spannungen, bis Habegger zwei Jahre später die Datenhoheit zurückgewann. Nach Berichten der NZZ im Sommer 2024 und Vorwürfen von Nitschke eskalierte der Streit.
Jennifer McLaughlin, eine Amerikanerin, reiste für den Suizid in der Sarco-Kapsel nach Zermatt, zog sich aber zurück. Habegger begleitete ihren Sterbewunsch kostenlos, während Nitschke sie als nicht urteilsfähig bezeichnete.
Nitschkes Kritik an Pegasos setzt sich in Publikationen und sozialen Medien fort; er wirft der Organisation mangelnde Transparenz gegenüber Angehörigen vor. Habegger kontert, Exit International versuche, sein Geschäftsmodell zu untergraben.
Mit dem Aufkommen von Athanasios, einer neuen Sterbeklinik, die Nitschke lobend erwähnt, nimmt Pegasos eine geringere Rolle im angelsächsischen Raum ein. Habegger sieht sich durch diese Entwicklungen und Nitschkes Kritik geschwächt.
Der Streit zeigt tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit der Sterbehilfe in der Schweiz, wobei die Motive hinter dem Konflikt oft unklar bleiben.