Der Zürcher FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt hat seine Absicht bekundet, in den Zürcher Regierungsrat zu wechseln. Die Partei nominierte ihn offiziell für das Amt. Diese Entwicklung ist Teil einer Tendenz: Auch die Grünen-Nationalrätin Aline Trede wird als Berner Regierungsrätin antreten und SP-Nationalrätin Céline Widmer sowie Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli planen den Eintritt in die Zürcher Stadtregierung. Nach Ansicht von Sean Müller, einem Politikwissenschaftler an der Universität Bern, ziehen viele bekannte nationale Politiker wegen größerer Gestaltungsfreiheit auf die regionale Ebene zurück. Silberschmidt betont zudem, dass ein Regierungsratsamt besser mit seinem Familienleben vereinbar sei als das abgelehnte Parteipräsidium des vergangenen Jahres. Ein solches Amt verlange weniger Reisetätigkeit und ermögliche eine bessere Work-Life-Balance, so Silberschmidt.
Weitere bekannte Politiker könnten sich im Kanton Zürich um Regierungsratswahlen bewerben: SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf zeigt Interesse am frei werdenden Sitz ihrer Partei. Bei der SVP wird Nationalrat Martin Hübscher als möglicher Kandidat gehandelt, allerdings steht die Nominierung noch aus.
Laut Müller ist Bekanntheit essenziell für eine Wahl in ein Exekutivamt, insbesondere in großen Kantonen wie Zürich. Dort sei es fast unmöglich, genügend Stimmen durch lokale Aktivitäten oder persönliche Bekanntschaft zu gewinnen; das absolute Mehr bei den letzten Wahlen lag beispielsweise bei 123.000 Stimmen. Eine nationale Medienpräsenz, die ein Nationalratsamt bietet, ist daher entscheidend. Somit sind es vor allem jene Politiker mit nationaler Bekanntheit, die in großen Kantonen Chancen auf einen Posten im Exekutiv haben.