Der Waffenstillstand am Persischen Golf löst in den Petro-Monarchien keine spürbare Erleichterung aus, da die Befürchtungen für die Zukunft weiterhin groß sind. Der Krieg hat tiefe Spuren hinterlassen. Ahmed Almajid, ein Grafikdesigner und Maler in Doha, sitzt gelassen im Hinterzimmer seiner Galerie an der Place Vendôme. Obwohl er sich über das Geschehene Gedanken macht, vertraut er auf die Entscheidungen seiner Regierung. Der Krieg zwischen Amerika, Israel und Iran hat gerade erst begonnen.
Almajid ist durch ein Porträt des Emirs Tamim bin Hamad al-Thani bekannt geworden, welches während der 2017er Blockade entstand und das Widerstandsgefühl in Katar symbolisiert. Seitdem ziert sein Gesicht die Häuser im Land.
Die aktuellen Konflikte haben alle Golfstaaten erneut hineingezogen: Iranische Drohnen- und Raketenangriffe auf Katar, einschließlich eines Angriffs auf eine wichtige LNG-Anlage in Ras Laffan, belasten die Region schwer. Auch die Blockade der Straße von Hormuz hat den Export erschwert.
Nun herrscht ein fragiler Waffenstillstand, doch der Weg zurück zur Normalität bleibt steinig. Die Reaktionen auf die Waffenruhe variieren: Während die Vereinigten Arabischen Emirate einen „Sieg“ verkündeten, betrachtet Katar die Lage nüchterner als erschüttert.
Politologe Paul Musgrave sieht in den Folgen des Konflikts ein ambivalentes Bild: Trotz Erleichterung über das Ende der Kampfhandlungen herrscht Pessimismus bezüglich einer Fortsetzung. Die Verhandlungen in Islamabad haben bisher keine Lösung gebracht, und die Straße von Hormuz bleibt blockiert.
Die Golfstaaten stehen vor einem Dilemma: Sollen sie den Krieg zu Ende führen oder auf ein schnelles Ende hoffen? Während die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudiarabien einen militärischen Sieg anstreben, bevorzugen kleinere Staaten wie Katar eine rasche Beendigung.
Die regionalen Mächte haben ihre Einflussnahme in Washington erschöpft. Die Differenzen innerhalb der Golfstaaten führen zu unterschiedlichen Strategien: Abu Dhabi suchte die Allianz mit Israel, während Riad 2023 eine Annäherung an Iran verfolgte.
Angesichts der Unsicherheit hoffen die Länder auf ein Ende des Konflikts und dass Teheran den Zugang zur Straße von Hormuz nicht einschränkt. Der Krieg hat ihre Verletzlichkeit offenbart, während Russland an Gunst verliert.
Die Staaten suchen nun neue Partner: Saudiarabien nähert sich Pakistan, Katar kooperiert mit der Türkei. Dennoch glaubt man nicht an die Entstehung einer Wüsten-NATO.
In Katar herrscht ein neuer Geist des Zusammenhalts, geprägt durch kulturelle Identität und Solidarität unter den Golfstaaten. Almajid hat in dieser Zeit neue Zeichnungen veröffentlicht, die das Band zwischen den Ländern symbolisieren.