Patrick Fischer fälschte 2022 ein Covid-Zertifikat, um an die Olympischen Spiele in Peking teilnehmen zu können. Dieses Vorgehen wird von Impfgegnern gefeiert.
Eine Mischung aus Lügen, emotionaler Verwundbarkeit und Sport: Die Geschichte um Nati-Coach Patrick Fischers gefälschtes Covid-Zertifikat vereint alle Elemente einer brisanten Story. Der Eishockey-Nationaltrainer verweigerte die Corona-Impfung und musste daher ein Zertifikat fälschen, um mit seinem Team nach Peking reisen zu dürfen.
Öffentlich behauptete er vor den Spielen in Peking, geimpft worden zu sein. Der rechtliche Fall ist seit 2023 abgeschlossen: Fischer wurde verurteilt und musste eine Busse von knapp 39.000 Franken zahlen. Doch moralische Fragen bleiben.
War es angemessen für einen Nationaltrainer, öffentlich zu lügen? Und riskierte er nicht die Olympia-Teilnahme seiner Mannschaft?
Im Netz wird Fischer stark kritisiert, insbesondere da der 50-Jährige den Teamgedanken stets über individuelle Bedürfnisse stellt und ein Talent wie Liam Bichsel aktuell nicht berücksichtigt. Sein selbstbezogenes Handeln steht im Widerspruch zu seinen eigenen Prinzipien, zumal seine Beichte nicht freiwillig erfolgte.
SRF deckte die Geschichte auf und konfrontierte den Coach sowie den Eishockey-Verband mit den Vorwürfen. Eine echte Reue sieht anders aus. Trotzdem erhält Fischer im Netz enorm viel Unterstützung: «Du bist ein Held für mich», «Ehrenmann», oder: «Alles richtig gemacht» – solche Kommentare finden sich unter dem offiziellen Instagram-Account des Schweizerischen Eishockeyverbands SIHF.
Diese Rückendeckung kommt vor allem von Corona-Skeptikern und Impfgegnern, die Fischer zur Symbolfigur machen. Gesellschaftskritiker und Sozialwissenschaftler Marko Kovic erklärt, warum Fischer so viel Zuspruch erhält: «Viele Menschen haben einen provokanten Fokus auf die Covid-Zeit», sagt er gegenüber Nau.ch.
«Sie sehen das Ganze immer noch als großes Unrecht oder Lüge.» Widerstand gegen Corona-Massnahmen beschäftigt diese Personen bis heute, und Fischer könnte zu ihrer Symbolfigur werden – insbesondere wenn die Medien den Fall stark skandalisieren.
Kovic hält jedoch nicht grundsätzlich etwas von Fischers Handeln: «Der gefälschte Impfausweis zeigt einen schlechten Charakter.» Gleichzeitig betont er, dass es sich um eine gesellschaftliche Ausnahmesituation handelte und die Geschichte nicht weiter skandalisiert werden sollte.
Eine Strassenumfrage von Nau.ch ergab am Dienstagmorgen, dass viele Passanten der Meinung waren, Fischer solle Nationaltrainer bleiben – wenngleich sie seine Lüge kritisierten. Im Mai steht die mit Spannung erwartete Heim-WM in der Schweiz an; nach der WM plant Fischer ohnehin seinen Rücktritt.
Auch Kovic meint, dass Fischer als Nati-Trainer weiter tragbar bleibt: «Man darf Fehler aus der Pandemiezeit ruhen lassen. Die Massnahmen waren chaotisch für alle, und die Vergangenheit muss nicht endlos skandalisiert werden.»
Der Eishockey-Verband, Fischers Arbeitgeber, teilte mit, dass die Sache nach Gesprächen mit Fischer abgeschlossen sei. Vieles deutet darauf hin, dass die Geschichte zwar aktuell für Diskussionen sorgt, aber ohne größere Konsequenzen bleiben wird.