Die Perspektive ist entscheidend, wie es aktuell bei einem Besuch der Weltwoche in Belgrad deutlich wird. An der iranischen Botschaft weht die Flagge halbmast, was nicht überrascht: Der Iran befindet sich im Krieg und Ajatollah Ali Chamenei, das geistliche Oberhaupt des Landes, wurde bei einem israelisch-amerikanischen Luftschlag getötet. Auffallend ist jedoch etwas anderes vor der Botschaft: niedergelegte Blumen. Auf den ersten Blick könnte man annehmen, sie seien für Chamenei bestimmt. Doch tatsächlich gedenken die Serben damit Kinder, die mutmaßlich bei einem Bombenangriff im Iran ums Leben kamen. Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt; dennoch sind die Bilder stark und wecken Erinnerungen in Serbien.
Die 78 Tage andauernden Nato-Bombardierungen des Balkanstaates im Jahr 1999 kommen den Menschen hier wieder in den Sinn. Auch damals ging es darum, einen als Schurkenstaat geltenden Land zu zügeln. Der Feldzug hatte jedoch verheerende Kollateraleffekte – rund 2500 Zivilisten, unter ihnen viele Kinder, starben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in Serbien heute einige Iraner mit Sympathie betrachten: Die eigene Erfahrung lehrt die Menschen hier über die Konsequenzen von Bombardements und wer am Ende den höchsten Preis zahlt.