Nach dem Ausbruch einer Feuerpause am Persischen Golf fragen sich viele, wie lange es dauern wird, bis die Erdöl- und Erdgasversorgung sowie Lieferketten wieder normalisiert sind. Auch US-Präsident Donald Trump zeigt sich ungewöhnlich geduldig in der Hoffnung auf eine nachhaltige Waffenruhe, während Unternehmen und Verbraucher ebenfalls Geduld beweisen müssen.
Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz, ein zentraler Exportweg für Erdöl und Erdgas, wird nicht über Nacht wieder anlaufen. Die Reparatur der zerbrochenen Lieferketten erweist sich als schwieriger als das Starten eines Schiffsmotors nach mehr als einem Monat Krieg.
Trotz einigen mutigen Versuchen einzelner Tanker und Frachter, die Passage zu durchqueren, verbleiben Hunderte Schiffe mit etwa 20.000 Seeleuten im Persischen Golf gestrandet. Branchenkennern zufolge könnten mehrere Wochen vergehen, bevor diese ihre Reise fortsetzen können, was Staus in Häfen und Meerengen zur Folge haben dürfte.
Angesichts der anhaltenden Risiken verlangen Versicherer hohe Prämien für Schiffe auf dieser Route, was den Transit vorläufig einschränkt. Obwohl Trump ein subventioniertes Versicherungssystem angekündigt hat, gibt es nach Angaben von Lloyd’s List keine bekannten Nutzer.
Trotz der Verpflichtung laut Seerecht, die Straße für alle Schiffe befahrbar zu halten, haben iranische Revolutionsgarden die Meerenge mit Schnellbooten und Drohnen blockiert. Trotz Trumps Forderung nach einer „vollständigen, sofortigen und sicheren“ Wiedereröffnung scheinen Iraner an der Kontrolle über diese strategisch wichtige Passage festzuhalten.
Teheran hat ein Mautsystem für den Schiffsverkehr eingeführt: Kapitäne müssen ihre Schiffe vorab registrieren, um gegen eine Gebühr durch die Meerenge eskortiert zu werden. Diese Gebühren werden in chinesischen Yuan oder Kryptowährungen erhoben und könnten als neue Einnahmequelle für das Regime dienen.
Reedereien wie Maersk und Hapag-Lloyd bleiben vorsichtig, da die Dauer der Waffenruhe ungewiss ist. Eine Feuerpause allein reicht nicht aus, um Versicherer von einer sicheren Passage zu überzeugen.
Die Normalisierung wird schrittweise erfolgen; dabei könnte sich die Verladung von Öl schneller erholen als das komplexere verflüssigte Erdgas (LNG). Die vollständige Wiederherstellung der Hafeneffizienz, inklusive möglicher Reparaturen und Auflösung von Staus, könnte bis zu zwei Monate dauern.
Die globale Versorgung mit Öl und Gas wird sich in den ersten Wochen nur geringfügig erhöhen; nach vier bis acht Wochen könnten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Exporte annähernd wieder vollständig aufnehmen. Der vorherige Normalzustand könnte jedoch rund drei Monate dauern.
Durch den Iran-Krieg sind etwa 2 Prozent des globalen Handels stillgelegt, während 40 Prozent von Störungen betroffen sind. Die Sperrung der Straße hat verschiedene Branchen und Regionen unterschiedlich beeinflusst.
Schäden an der Förderinfrastruktur in Golfstaaten belaufen sich auf mindestens 25 Milliarden Dollar, wobei die Verfügbarkeit von Ersatzteilen ein Problem darstellt. Obwohl zwei Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und verflüssigten Erdgases durch die Straße transportiert werden, konzentriert sich das Gasangebot fast vollständig auf Katar.
Die Golfstaaten mussten ihre Förderung reduzieren, da Lagerhäuser gefüllt wurden. Die Wiederherstellung des kontinuierlichen Betriebs ist ein langwieriger Prozess, und die Produktion wird erst Ende 2026 wieder auf frühere Niveaus zurückkehren.