In Zürich sorgt ein Vorgehen gegen Stadttauben für Kontroversen, wie Malte Zierden, ein deutscher Tierschutzaktivist mit großer Online-Folgerschaft, kritisiert. Er illustriert die Situation in einem Instagram-Beitrag: «Zürich erscheint modern, ist aber menschlich mittelalterlich geblieben», kommentiert er angesichts eines Videos von Taubenfallen am Stadelhoferplatz. Dort wurden Tauben angelockt und im Käfig eingeschlossen, um sie dann zu keulen. Zierden vergleicht die Szene mit einer Plüschtaube: «Die Stadt lockt Tauben an, sperrt sie ein und bricht ihnen das Genick. Du willst nur satt werden, und plötzlich wirst du eingesperrt. Alles dunkel. Man greift dich, Knüppel, betäubt, Genickbruch und ab in den Müll.» Die Stadt Zürich bestätigte die Aktion nach einem Bericht von «20 Minuten». Ziel war eine gesunde Taubenpopulation zu fördern; jährlich werden zwischen 1000 und 1800 Tauben gekeult. Die Stadtparlamentarischen Grünen reagierten auf den Vorfall, der überregional Schlagzeilen machte. In einer Fraktionserklärung äußerten sie Kritik an dem Bild, das die Stadt abgebe, und brachten eine Motion ein, die den Ausbau betreuter Taubenschläge fordert. Freiwillige des Taubenvereins Lindenplatz verteilten vor dem Rathaus Flyer mit der Botschaft: «Stadttauben brauchen Körner und ein Zuhause.» Über die Diskussionen zu den Motionen im Stadtparlament wird noch einige Wochen verhandelt. Obwohl es den Anschein erweckt, als würde eine Anti-Tauben-Kampagne in Zürich stattfinden, gibt es über Jahre hinweg breite politische Unterstützung für tierfreundliche Lösungen. Die Herausforderung bleibt bestehen: In der Stadt leben etwa 16 000 Tauben, die jährlich mehr als 80 Tonnen Kot produzieren, der Kontaminationen verursacht. Wildhüter intervenieren, wenn Taubenschwärme zu hygienischen Problemen führen. Das Stadtparlament diskutierte 2022 das Augsburger Modell, bei dem echte Eier durch Attrappen ersetzt werden, um die Brut zu verhindern. Trotz jährlichem Austausch von 500 Taubeneiern ist der Effekt begrenzt. Grüne Politiker wie Stadtparlamentarierin Selina Walgis fordern mehr Taubenschläge und betonen, dass Freiwillige die Arbeit übernehmen könnten. Kritisiert wird zudem das Fütterungsverbot seit 2023 nach dem kantonalen Jagdgesetz, das unbeabsichtigt zu vermehrtem Füttern geführt hat. Die Stadt verhängte im Jahr 2024 sechs Bussen wegen Verstößen gegen dieses Gesetz. Trotz des Verbots werden mehr Tauben gefüttert als früher, was die Schwärme am Stadelhoferplatz anwachsen lässt. Diese Entwicklung wird in der Debatte um die Keulungsaktion kaum erwähnt.