Das lange als Schandfleck betrachtete Globus-Provisorium in Zürich soll nun umgebaut werden, um einen attraktiven Treffpunkt für die Stadtbevölkerung zu schaffen. Trotz vieler gescheiterter Versuche, das 1961 errichtete Gebäude abzureissen oder neu zu bauen, hat der Stadtrat eine innovative Lösung präsentiert.
Bislang fanden alle Vorschläge für einen Neubau oder Abriss keine Zustimmung. Auch ein Projekt für einen leeren Platz wurde 2018 vom Stadtparlament abgelehnt; es forderte mehr als nur freie Fläche. Das Gebäude, das ursprünglich auf acht Jahre Bautenutzung ausgelegt war, steht weiterhin.
Trotz seiner umstrittenen Vergangenheit weist die Rückseite des Gebäudes architektonische Besonderheiten auf: Der Architekt Karl Egender gestaltete es in einer Schiffsnachbildung, was von Heimatschützern geschätzt wird. Diese Struktur soll erhalten bleiben.
Nach 65 Jahren Diskussion zeichnet sich ein Kompromiss ab, der sowohl Befürworter als auch Gegner des Provisoriums zufriedenstellen könnte: Das Gebäude erhält eine Dachterrasse mit Restaurant und flexible Innenräume für Gastronomie sowie diverse Aktivitäten, von Bibliotheken bis zu sozialen Angeboten. Eine Velostation könnte ebenfalls integriert werden.
Das Dach wird geöffnet, ein Lichthof entsteht, große Schaufenster und neue Ein- und Ausgänge sorgen für Durchlässigkeit. Das Warenhaus Globus bleibt im Untergeschoss präsent, während die Polizei im zweiten Untergeschoss parkt.
Zum umliegenden Grün gehört bereits eine Bepflanzung mit Bäumen und Bänken; diese soll in den nächsten Jahren erweitert werden. Die Anlage soll sich bis zur Limmat hin ausdehnen, wofür 11 von 22 Parkplätzen weichen.
Das Projekt entstand nicht innerhalb der Stadtverwaltung, sondern wurde von einer 60-köpfigen Gruppe entwickelt und 2022 vorgestellt. Die Resultate wurden vom Stadtrat als zufriedenstellend empfunden, so Stadtpräsidentin Corine Mauch.
Das Gebäude entstand ursprünglich für das Warenhaus Globus und sollte nur vorübergehend bestehen bleiben. Nach dem Umzug des Geschäftes 1967 entschied sich die Bevölkerung gegen einen Abriss, und es wurde durch die sogenannten Globus-Krawalle bekannt.
Am 29. Juni 1968 war das Gebäude der Mittelpunkt der Schweizer Jugendunruhen; Demonstranten forderten ein autonomes Jugendzentrum, was zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führte. Seitdem scheiterte jede Umbaupläne aus verschiedenen Gründen.
Hochbauvorsteher André Odermatt ist optimistisch bezüglich der Zustimmung im Parlament und bei den Bürgern, da durch das Öffnen des Gebäudes ein neuer Raum entstehen wird. Derzeit wartet das Projekt auf die Überwindung politischer Hürden.
Eine Volksabstimmung ist für 2031 geplant; fehlen Einsprachen, könnten Bauarbeiten 2032 beginnen. Dies würde einen Neuanfang bedeuten, nachdem dieses Gebäude Jahrzehnte lang Gegenstand von Konflikten war und nun große Erwartungen weckt.