Soziale Medien wie Instagram und TikTok sind fester Bestandteil des Alltags vieler junger Menschen. Dennoch weisen Studien darauf hin, dass diese Plattformen die Hirnentwicklung negativ beeinflussen können, was sich auf Konzentration, Lernfähigkeit und psychische Gesundheit auswirken mag.
Einige Länder wie Australien oder Frankreich haben den Zugang für Minderjährige bereits verboten. Andere Nationen, darunter Dänemark, Spanien und Italien, planen ähnliche Maßnahmen. In der Schweiz wächst ebenfalls die Forderung nach Einschränkungen.
Thomas Minder, Präsident des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter, sowie Peter G. Kirchschläger, Ethikprofessor an der Universität Luzern, sprechen sich für ein Social-Media-Verbot aus. Kirchschläger bezeichnet soziale Medien als „asoziale Medien“, da sie von Anfang an darauf ausgelegt waren, Suchtverhalten zu fördern.
Eine Sotomo-Studie zeigt, dass 82 Prozent der Schweizer Bevölkerung ein Handyverbot an Schulen befürworten. Auch ein Verbot von Plattformen wie TikTok findet Zustimmung: 68 Prozent sind dafür, wobei auf der SRF-Plattform „Dialog“ sogar 86 Prozent ein Verbot für unter 16-Jährige unterstützen.
„Sie sollten behandelt werden wie andere Suchtprodukte“, so Kirchschläger. Er zieht Vergleiche zu Tabak und Alkohol, bei denen der Zugang bis zu einem bestimmten Alter verboten ist.
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider erwägt ebenfalls ein Verbot. Der Bundesrat bereitet aktuell einen Bericht vor, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum zu verbessern.
Gerhard Andrey, Grünen-Nationalrat aus dem Kanton Freiburg, sieht die Situation als „eine große Frustration für Eltern und Jugendliche“. Er betont, dass auch junge Menschen selbst nach mehr Schutz im Internet rufen. Algorithmen förderten schädliches Verhalten, und Geschäftsinteressen profitierten von Hass und Hetze.
Barbara Steinemann, SVP-Nationalrätin aus Zürich, hebt die positiven Aspekte sozialer Medien hervor: Sie könnten Neugier wecken und helfen, Identität zu entwickeln. Ein Verbot sei ein Schritt in Richtung Überwachung und könnte als technisch nicht umsetzbar gelten, wie Erfahrungen aus Australien zeigen.
Andrey sieht in der E-ID eine Möglichkeit für einen anonymen Altersnachweis im Netz. Eine Regulierung sollte nach Ansicht aller Beteiligten die Verantwortung der Eltern bleiben.