Die Schweiz verzeichnet eine stetig steigende Anzahl an Touristen. Im Jahr 2025 wurden in der Hotellerie 43,9 Millionen Übernachtungen gezählt, was den dritten Rekord in Folge markiert. Doch mit dem Tourismusboom wächst auch die Unzufriedenheit unter den Einheimischen. In einigen Regionen sind Maßnahmen ergriffen worden; so wurde beispielsweise in Iseltwald im Berner Oberland ein Drehkreuz am für Selfies beliebten Schiffssteg errichtet.
Eine Umfrage von Schweiz Tourismus zeigt, dass jeweils ein Drittel der Befragten aus den Regionen Zentralschweiz und Graubünden der Meinung ist, dass zu viele Touristen in die Schweiz kommen. In Bern und im Wallis scheint das Problem etwas weniger präsent zu sein. Laut einer landesweiten Umfrage halten sich 50 Prozent der Befragten ausländische Touristen an Schweizer Gepflogenheiten, während 23 Prozent dem widersprechen.
Die Umfrage wurde von Innofact im Auftrag von Schweiz Tourismus und der Regional Tourism Alliance zwischen dem 7. und 18. November 2025 durchgeführt. Dabei wurden 2500 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren online befragt.
Schweiz Tourismus möchte mit einer neuen Kampagne ausländische Gäste über Schweizer Verhaltensregeln informieren, um Konflikte mit Einheimischen zu minimieren. Dazu sollen Plakate und ein Video auf Swiss-Flügen die Hinweise vermitteln. Inhalte beinhalten zum Beispiel, dass Personen erst aus dem Zug aussteigen dürfen, bevor man selbst einsteigt, oder das Verlassen markierter Pfade untersagt ist. Die ersten Plakate sind in Interlaken zu sehen und sollen bald auch in Luzern hängen. Über die Kosten der Kampagne gibt es keine Angaben.
Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus, betont, dass die Hinweise zwar für Schweizer banal klingen mögen, sie aber notwendig sind, da man es mit unterschiedlichen Kulturen zu tun habe. Die internationale Zielgruppe sei dankbar für diese Informationen. Das Ziel sei eine harmonischere Koexistenz von Touristen und Einheimischen. Er sieht die Kampagne auch als Zeichen dafür, dass Schweiz Tourismus auf die Befindlichkeiten der Bevölkerung eingeht.
Tourismus-Experte Stefan Forster, der an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) forscht, bezeichnet die Maßnahmen als sinnvoll. Sie zeigten sowohl Einheimischen als auch Gästen, dass man sie ernst nimmt. Dennoch betont er, dass mehr getan werden muss, um die Akzeptanz des Tourismus bei der lokalen Bevölkerung zu erhöhen. Langfristig könnte eine gezielte Reduktion der Touristenströme notwendig sein.