In Washington führte Bundespräsident Guy Parmelin Gespräche mit dem amerikanischen Verhandler, hielt sich jedoch bedeckt bezüglich der Schweizer Angebote und des Zeitplans für einen möglichen Deal. Seit einem vorläufigen Abkommen im Juli 2025 haben die USA ihre Strafzölle auf Schweizer Ausfuhren von 39 Prozent auf 15 reduziert, doch eine endgültige Vereinbarung steht noch aus. Die Verhandlungen, die nach den massiven Zollmaßnahmen Trumps im April 2025 notwendig wurden, sind weiterhin in einer vertraulichen Phase. Im November wurde großes Druck aufgebaut, diese hohen Zölle zu senken; mittlerweile nimmt man sich jedoch mehr Zeit für die Verhandlungen.
Nach einem Treffen mit dem amerikanischen Handelsbeauftragten Jamieson Greer äußerte sich Parmelin in Washington positiv über die “angenehme” Diskussion aller relevanten Punkte. Während der halbjährlichen IWF- und Weltbanktreffen nutzte er die Gelegenheit für vertrauliche Gespräche mit den USA, begleitet von Seco-Chefin Helene Budliger Artieda.
Trotz des Treffens blieb ein Durchbruch aus. Parmelin vermied eine Pressekonferenz und gab lediglich eine kurze Stellungnahme ab, ohne konkrete Verhandlungsdetails zu kommentieren. Er betonte, dass es nicht darum gehe, schnell oder langsam voranzukommen, sondern um Klarheit.
Die Schweiz strebt an, von den USA eine Meistbegünstigungsklausel zu erhalten und damit sicherzustellen, mindestens so gut gestellt zu werden wie die EU oder Großbritannien. Die Durchsetzung dieser Forderung könnte jedoch schwierig sein, insbesondere da Trump das ausgehandelte Abkommen letztlich genehmigen muss.
Nachdem Trump im Februar ein bedeutendes Urteil vor dem Obersten Gerichtshof verlor und viele seiner Zölle zurücknehmen musste, setzte seine Regierung bis Ende Juli temporäre Globalzölle von 10 Prozent um. Diese dienen als Übergangslösung; eine Verlängerung bedarf Trumps Zustimmung nicht.
Parallel dazu hat Greer Untersuchungen gemäß Sektion 301 des Handelsgesetzes von 1974 eingeleitet, die prüfen sollen, ob andere Länder den USA durch unfaire Praktiken schaden. Diese könnten als Grundlage für zukünftige Zölle dienen.
Mit diesen neuen Untersuchungen entsteht in den USA eine veränderte Zolllandschaft, die Trumps Spielraum erweitert und Handelspartner potenziell neue Risiken aussetzt. Daher bleibt es entscheidend für die Schweizer Exportwirtschaft, die bilateralen Verhandlungen mit den USA voranzutreiben.
Parmelin betonte, dass sich die Schweiz in den Prozess der Sektion 301 einbringen könne, indem sie auf als falsch erachtete Behauptungen reagiert. Diese Untersuchungen laufen jedoch unabhängig von den aktuellen Verhandlungen ab.