Walter Lietha, ein vielseitiger Musiker und Dichter, prägte die Musiklandschaft der Schweiz in den 1970er Jahren entscheidend. Seine Alben waren fester Bestandteil jeder Studenten-WG dieser Zeit. Bekannt für seine Auftritte auf Folk-Festivals, setzte er sich für gesellschaftliche Minderheiten und Umweltschutz ein.
Sein Werk war geprägt von sanfter Melancholie und rebellischem Geist zugleich. Die Musikethnologin Lea Hagmann beschreibt ihn als einen Freigeist: «Er lässt sich nicht durch gesellschaftliche Normen einschränken.»
Nach über vier Jahrzehnten relativer Stille wurde Walter Liethas Werk im letzten Sommer wieder ins Rampenlicht gerückt, als seine Freundin Corin Curschel ihm zu Ehren ein Konzert bei den Alpentönen in Altdorf organisierte. Das Konzert, das SRF live übertrug, zog prominente Schweizer Musiker wie Stephan Eicher und Michael von der Heide an.
Der Dokumentarfilm «Drum sing i grad drum» von Stefan Haupt widmet sich dem Künstler aus persönlichen Gründen. Der Film feiert die Premiere in SRF 1 am 4. Juli um 12:00 Uhr als Teil der Sendung «Sternstunde Musik». Lietha war eine wichtige Figur für viele junge Menschen seiner Zeit, insbesondere durch seine charakteristische Erscheinung und sein aufrüttelndes Auftreten.
Liethas Lieder in Bündner Mundart sind bis heute von zeitloser Poesie und Protest geprägt. Lea Hagmann erklärt: «Vielleicht sind es die Werte aus diesen Siebzigerjahren, die wieder aktuell werden: Die Folkbewegung setzte sich für ökologische und gesellschaftliche Themen ein.»
In den 80er Jahren zeigte Lietha Solidarität mit der Jugendbewegung durch sein politisches Album «Drum sing i grad drum». Nach der Veröffentlichung wurde er laut Zeitzeugen kaum noch im Radio gespielt, was heute nicht mehr belegt werden kann. Regisseur Stefan Haupt betont: «Wie sehr er zensiert worden ist, lässt sich schwer sagen. Es gab jedoch Anweisungen gegen seine Musik bei SRF und Schweizer Radio.»
Lietha zog sich in den 80ern zurück und führte ein Antiquariat im Churer Narrenschiff. Heute lebt er mit einer umfangreichen Buchsammlung in Trin, Surselva.
Der Film «Drum sing i grad drum» ist eine bewegende Hommage an den Liedermacher, dessen Texte weiterhin relevant sind. Der Kinostart erfolgt am 16. April. Obwohl Berichte von einem Boykott und Zensur durch SRF existieren, liefern Recherchen keine klaren Beweise dafür. Unterschiedliche Hinweise in den Archiven deuten auf eine uneinheitliche Handhabung seiner Musik hin.
Auch wenn ein systematisches Verbot seiner Musik bei SRF fehlt, könnte es zu redaktionellen Zurückhaltungen gekommen sein. Trotzdem war Lietha im Schweizer Fernsehen und Radio präsent, unter anderem 1982 beim Open Air St. Gallen.
Seit seinem Comeback wird Walter Liethas Musik vermehrt auf SRF gespielt, darunter auch Lieder von «Drum sing i grad drum».