Der iranische Regisseur Ali Asgari formt das Bild des modernen iranischen Kinos. Mit seinem Werk “Divine Comedy” zeigt er, dass selbst humorvolle Elemente politische Aussagen transportieren können und Widerstand oft im Alltag wurzelt.
In den letzten Jahren hat sich das iranische Kino in der internationalen Filmszene einen Namen gemacht. 2024 gewann Mohammad Rasulofs Drama “The Seed of the Sacred Fig” über die Frauenrechtsbewegung in Cannes den Prix Spécial und wurde im Sommer auf der Piazza Grande in Locarno präsentiert. Ein Jahr darauf erhielt Jafar Panahi mit seinem Film “It Was Just an Accident” in Cannes die Goldene Palme.
Doch nicht nur Rasulof und Panahi sind international erfolgreich. Ali Asgari, ein Vertreter einer jüngeren Filmschaffergeneration im Iran, gewinnt zunehmend Aufmerksamkeit. Sein vierter Langspielfilm “Divine Comedy” ist derzeit in den Kinos zu sehen; er entwickelt eine eigene Filmsprache, die sowohl an globale Traditionen als auch an die iranische Gesellschaft anknüpft.
Ali Asgari wurde 1984 in Teheran geboren. Nach seinem Studium in Rom schloss er sich einem europäischen Filmprogramm an und nahm am Berlinale Talents Förderprogramm teil. Sein Erstlingswerk “Disappearance” war 2017 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig zu sehen.
Seine ersten beiden Filme, darunter der zweite, “Until Tomorrow” (2022), thematisieren die Probleme junger Menschen im Iran – wie Geschlechterungleichheit, ein diskriminierendes Gesundheitssystem und rigide staatliche Moralvorstellungen. Bei einem Gespräch in Nyon beschrieb Asgari, dass selbst einfache Dinge unter einem repressiven System kompliziert werden.
In seinem dritten Film “Terrestrial Verses” (2023) wird das tägliche Leben im Iran zur absurden Bühne des theokratischen Regimes. Menschen scheitern an alltäglichen Herausforderungen wie Behördengängen oder Bewerbungsgesprächen.
Asgari verarbeitet seine persönlichen Erfahrungen in seinen Filmen und nutzt sie als kreatives Ventil. Sein Film “Divine Comedy” ist eine satirische Schnitzeljagd, die an Regisseure wie Nanni Moretti und Woody Allen erinnert und den Sinn des Filmemachens reflektiert.
Asgari weiß um die Kontroversen, die sein Werk auslösen kann: “Viele erwarten von einem iranischen Film ein schweres Drama – das will ich nicht bieten.” Er spielt mit der Kritik, dass er Filme für internationale Zuschauer produziere, und betont, dass Lachen politisch sein kann.
Während Asgari seinen neuen Film in der Schweiz promotet, hat er bereits ein weiteres Projekt abgedreht, das die jüngsten Ereignisse im Iran verarbeitet. Über den Inhalt hält er sich bedeckt und erwähnt, dass es sich nicht um eine Komödie handelt. Die Dreharbeiten musste er aufgrund von amerikanischen Bombenangriffen in der Türkei abschließen.
“Filmemachen ist für mich ein Akt des Widerstands”, erklärt Asgari die Quelle seiner Motivation, weiterhin Filme zu drehen. Sein nächster Film wird sich zwischen Sozialrealismus und Komödie verorten dürfen. Ali Asgari bleibt seinem Anspruch als Chronist des iranischen Alltags treu.