Am 1. Mai in Basel erlebt man nicht nur den bekannten schwarzen Block, sondern auch eine unerwartete Präsenz älterer Aktivisten – den Grauen Block. Diese Gruppe von Senioren, deren Mitglieder zwischen 40 und 75 Jahren alt sind, tritt mit Rollatoren und selbstgefertigten Wagen auf, um Solidaritätskaffee zu verkaufen und gegen die Polizeibehandlung beim letzten Umzug zu protestieren. Die meisten von ihnen wurden in den 1980er-Jahre politisiert, als sie Häuser besetzten und sich gegen autoritäre Strukturen auflehnten. Heute sind ihre Berufe vielfältig: Maler, Tierärzte, Sozialarbeiter – oder sie sind pensioniert.
Trotz ihres Alters zeigen die Mitglieder des Grauen Blocks keinerlei Anzeichen von Bürgerlichkeit. Guido, ein Altlinker aus Zürich, der an den Krawallen 1980 teilnahm, betont: “Die heutigen Demos sind viel friedlicher.” Gleichzeitig werfen sie der Polizei vor, bei Auseinandersetzungen überzogen zu reagieren. Fred, ein Anarchist von 60 Jahren, zeigt Videoaufnahmen, die die Polizeigewalt dokumentieren sollen.
Die Mitglieder des Grauen Blocks vertreten ihre politischen Ansichten vehement und unterstützen jüngere Demonstranten in juristischen Angelegenheiten – eine Möglichkeit, die ihnen als Rentner offensteht. Ida, 58, bezeichnet sich selbst weiterhin als Anarchistin, während sie zugibt, offener gegenüber anderen Meinungen geworden zu sein. Esther, 62, stimmt ihr zu und spricht von einer größeren Bereitschaft, Dinge nicht mehr schwarz-weiß zu sehen.
Der Graue Block wurde nach der “Basel nazifrei”-Demo 2018 gegründet, bei der sich die älteren Aktivisten mit jungen Demonstranten solidarisierten. Sie unterstützen diese nun aktiv und reichen selbst Anzeigen gegen Polizeiübergriffe ein. Der Demozug endet schließlich in einem symbolischen Akt: Ein Mann schiebt seine Partnerin im Rollstuhl über eine Brücke, während der Rhein darunter fließt – ein Bild von Solidarität und Widerstand.