Nach einem Ausbruch des Hantaviruses auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik rücken Argentinien und seine Rolle in den Blickpunkt. Die Herkunft des Virus auf dem Schiff bleibt unklar, doch verdoppelte sich die Zahl der Infektionen zuletzt in Argentinien. Klimawandel könnte hierbei eine Rolle spielen; Experten vermuten, dass Hitzeperioden gefolgt von Regenfällen ideale Bedingungen für Nagetiere schaffen, die das Virus übertragen.
Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Regenfällen und einer Zunahme der Nagerpopulation im Nordwesten Argentiniens hin. Karen Naundorf von SRF erklärt: «Mehr Vegetation bedeutet mehr Futter, was die Tiere vermehren lässt – das erhöht das Risiko für Menschen.»
Die Ursprünge des Ausbruchs auf der Hondius werden nicht in der argentinischen Provinz Tierra del Fuego vermutet. Ein niederländisches Paar, das nach einer Reise durch Südamerika an Bord ging und später starb, zeigte Symptome, die nicht mit der Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen für eine Ansteckung in Feuerland übereinstimmen.
Der genaue Infektionsort bleibt ungewiss. Wissenschaftler des Instituts Malbrán untersuchen nun Nagetiere auf dem Virus in Ushuaia, da Hantaviren häufig durch Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen werden.
Seit den 1990er Jahren sind Fälle von Hantavirus in Argentinien bekannt. Große Ausbrüche lösten bisher die stärkste Reaktion der Behörden aus, etwa während eines bedeutenden Ausbruchs 2018/2019 in Patagonien, bei dem auch zwischenmenschliche Übertragungen bestätigt wurden. Damals konnten strenge Maßnahmen den Ausbruch eindämmen.
Ein Vorfall Anfang des Jahres zeigt die Unterbewertung der Gefahr: Ein 14-Jähriger starb in Buenos Aires, nachdem seine Krankheit zunächst falsch beurteilt wurde. Karen Naundorf betont, dass solche Fälle zeigen, wie wenig aus vergangenen Ausbrüchen gelernt wird.
Neben der internationalen Gesundheitskrise beschäftigt den aktuellen Ausbruch auch die politische Lage in Argentinien. Präsident Milei plant einen Austritt aus der WHO, was angesichts des Hantavirus-Falles kritisch betrachtet wird. Naundorf hebt hervor: Internationale Zusammenarbeit bleibt entscheidend für den Umgang mit Krankheitsausbrüchen.
Die zentrale Frage ist daher nicht nur eine mögliche Pandemie, sondern ob Argentinien bei einem internationalen Ausbruch effektiv reagieren kann, wenn es seine Gesundheitsstrukturen schwächt und sich von internationaler Unterstützung distanziert.