Der einflussreiche Podcaster Tucker Carlson, bekannt für seine America-First-Haltung und als MAGA-Anhänger, hat in dieser Woche Reue geäussert. «Es tut mir leid, dass ich Menschen in die Irre geführt habe», so der Kommentar von Carlson. Er zeigt sich enttäuscht von Präsident Donald Trump, obwohl er ihn früher unterstützte.
In der MAGA-Bewegung herrscht bislang Einigkeit im Vorfeld der Wahl 2024. Tucker Carlson trat bei mehreren Veranstaltungen für Trump auf und wurde beim Republikaner-Parteitag im Juli frenetisch bejubelt. Er pries den Präsidenten nach dessen Überleben eines Attentatsversuchs als «Anführer einer Nation». Doch wie eng waren ihre Beziehungen wirklich?
Carlson, der 2021 noch bei Fox News moderierte und Sympathien für Trump zeigte, äusserte sich in privaten SMS kritisch. So schrieb er: «Wir sind sehr, sehr kurz davor, Trump an den meisten Abenden ignorieren zu können.» Und weiter: «Ich hasse ihn leidenschaftlich.» Er betrachtete die These von einer gestohlenen Wahl 2020 als Unsinn. Diese Nachrichten kamen 2023 ans Licht.
Thomas Greven vom John-F.-Kennedy-Institut beschreibt ihre Beziehung als transaktional, d.h., beide profitierten politisch oder kommerziell. Carlson verliess Fox News und gründete ein eigenes Medienunternehmen; Trump gewann die Wahl 2024 durch seine Fähigkeit, eine breite Wählerschaft zu mobilisieren.
Die Trennung war schon länger absehbar. Carlson kritisierte den Präsidenten in letzter Zeit oft. Er ist nicht der Einzige: Auch Alex Jones, Megyn Kelly und andere MAGA-Figuren üben Kritik wegen der Epstein-Affäre oder des umstrittenen Trump-Jesus-Memes.
Greven vermutet, dass die unterschiedliche Haltung zur Iran-Politik eine Rolle spielt. Die gemeinsame Revolte gegen das republikanische Establishment könne Trump nicht mehr repräsentieren. Carlsons Vorwurf: Trumps Politik ähnelt der von Bush und verrate amerikanische Interessen.
Carlson hat mit seiner Abkehr erneut Aufmerksamkeit erregt. Greven räumt ein, dass ihm Opportunismus unterstellt werden könnte, doch könnten auch echte Überzeugungen hinter seinen Handlungen stehen. Die Zukunft der MAGA-Bewegung bleibt ungewiss.
Trump wird in diesem Jahr 80 und hat keine Wiederwahl mehr zu gewinnen. Diese Dynamik im MAGA-Medienkosmos zeige einen Ausblick auf die Zeit nach Trump, so Greven.
SRF 4 News, 23.04.2026, 16:36 Uhr