Gegen 9 Uhr am Samstagmorgen konnte nicht mehr festgestellt werden, dass der Wal noch im Lastkahn war, berichtete eine private Bergungsinitiative. Mit dieser Aktion endet ein Medienspektakel um das Schicksal eines einzelnen Tieres und der damit verbundene öffentliche Druck.
In den letzten Wochen haben wir viel über Wale gelernt: Sie sind in Ozeanen beheimatet, nicht jedoch in der Ostsee. Dort ist das Wasser zu flach, zu salzarm und bietet zu wenig Nahrung für die großen Meeressäuger. Wir erfuhren auch, dass diese Tiere ein feines Gehör besitzen und sozial leben, meistens in Gruppen unterwegs sind. Ein erwachsener Buckelwal bringt zwischen 25 und 30 Tonnen auf die Waage und kann erdrückt werden, wenn er auf einer festen Unterlage liegt.
Diese Erkenntnisse verdanken wir Timmy, einem Buckelwal, der sich in die Ostsee verirrt hatte. Anfang März wurde er zum ersten Mal in Küstennähe gesichtet und strandete mehrmals, zuletzt auf der kleinen Insel Poel. Am Freitagnachmittag, nachdem das Absperrnetz an einem Lastkahn entfernt worden war, schwamm Timmy nördlich von Dänemark im offenen Meer unter zwei Sonnensegeln.
Die Bergungsaktion wurde von einer privaten Initiative und unterstützt von einem Schlepper durchgeführt. Über einen Livestream verfolgten mehr als 80.000 Zuschauer die Ereignisse. Der Wal hatte sich wohl aufgrund falscher Geräusche oder eines Fischschwarms in die Nordsee verirrt.
Ohne menschliches Eingreifen wäre Timmy wahrscheinlich vor Poel gestorben. Nach seiner Strandung am 31. Mai wurde zunächst beschlossen, alle Rettungsversuche einzustellen. Doch das Tier hatte zu einem Medienereignis und einer moralischen Fragestellung geworden.
Timmy erhielt den Namen in Anlehnung an Timmendorfer Strand, wo er erstmals gestrandet war. Sein Schicksal rührte viele Menschen zutiefst; manche glaubten sogar, dass der Wal die Hilfe des Menschen suchte. Der Einfluss von Medien und sozialen Netzwerken spielte eine bedeutende Rolle.
Till Backhaus, Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns, stand im Rampenlicht, da auf ihn nun der Druck lastete, sich um das Wohlergehen des Wals zu kümmern. Der Wal hatte jedoch trotz Rettung kaum Überlebenschancen und könnte erneut stranden.
Vor seiner Freilassung wurde Timmy mit einem GPS-Sender versehen, dessen Daten nur an Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium weitergegeben werden sollen. Das Schicksal des Wals bleibt ein faszinierendes Beispiel für die Verbindung zwischen Mensch und Natur.