Der Co-Vorsitzende der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), Tino Chrupalla, hat durch seine Forderung nach dem Abzug aller US-Truppen und Nuklearwaffen aus Deutschland die innerparteilichen Spannungen verstärkt. Mit Blick auf bevorstehende Wahlen in Ostdeutschland im September positionierte er seine Partei eindeutig anti-amerikanisch. Auf einem sächsischen Parteitag forderte Chrupalla den unmittelbaren Abzug der US-Truppen, was dem Grundsatzprogramm seiner Partei entspricht: “Die AfD setzt sich für den Abzug aller auf deutschem Boden stationierten alliierten Truppen und insbesondere deren Atomwaffen ein.” Dieser Punkt war jedoch in jüngsten Wahlprogrammen nicht hervorgehoben worden.
Chrupalla lobte die spanische Regierung dafür, dass sie US-Militäreinsätze im Krieg gegen den Iran über ihre Stützpunkte untersagt hatte. Er forderte Deutschland auf, sich künftig von internationalen Militäreinsätzen fernzuhalten. Etwa 38.000 amerikanische Soldaten sind in Deutschland stationiert, darunter ein zentrales Luftdrehkreuz in Ramstein und Atomwaffen im Bundeswehrstützpunkt Büchel.
Die Motive Chrupallas könnten vielschichtig sein: Neben dem Versuch, Wählerstimmen aus der Linkspartei und des BSW zu gewinnen, will er seine Position vor den anstehenden Wahlen zum Bundesvorstand stärken. Besonders in Sachsen-Anhalt könnte die AfD eine Mehrheit erringen. In Ostdeutschland ist historisch bedingt ein ausgeprägteres Misstrauen gegenüber den USA festzustellen, was Chrupallas Position untermauert.
Die Einigung mit seiner Co-Vorsitzenden Alice Weidel über die Ablehnung des Irankriegs steht im Kontrast zu ihrer unterschiedlichen Haltung zur US-Nähe. Während Chrupalla offen für eine Neuausrichtung ist, hält sich Weidel an eine taktische Distanzierung.
Der Vorstoss Chrupallas erschwert die Annäherung der AfD an CDU und CSU, da diese die amerikanische Präsenz in Deutschland als essenziell für nationale Sicherheitsinteressen betrachten. Trotz einer gemeinsamen Ablehnung des Irankriegs durch den Bundeskanzler bleibt ein tiefer Graben zwischen der AfD und den Christdemokraten bestehen.