Laut der Vergleichsplattform Comparis dürften die Krankenkassenprämien im Jahr 2027 durchschnittlich um 3,7 Prozent ansteigen. Dies würde einen Rückgang gegenüber den vergangenen Jahren bedeuten. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hält diese Prognose jedoch für verfrüht.
Comparis veröffentlichte am Dienstag seine Schätzungen bezüglich der Grundversicherungsprämien 2027, die einen Anstieg um durchschnittlich 3,7 Prozent vorsehen. Die Plattform hat in den vergangenen Jahren ähnliche Prognosen zu einem frühen Zeitpunkt publiziert, was Vorsicht bei deren Interpretation erfordert. Das BAG gibt seine endgültigen Prämienzahlen normalerweise Ende September heraus und äußerte sich auf Anfrage zurückhaltend: «Die von Comparis genannten Zahlen können wir nicht nachvollziehen.»
Das BAG legt jährlich in einem detaillierten Prozess die Prämien fest, wobei im Sommer die Krankenversicherer ihre Kosten für das kommende Jahr schätzen und das BAG diese anschließend überprüft und gegebenenfalls anpasst. «Zum jetzigen Zeitpunkt ist es zu früh, um Prognosen zur Kosten- und damit zur Prämienentwicklung für 2027 abzugeben», betonte das BAG.
Felix Schneuwly von Comparis merkt an, dass frühere Unterschätzungen des Nachholbedarfs bei den Reserven der Krankenkassen gemacht wurden. Diese Reserven dienen als Absicherung gegen unvorhergesehene Risiken und wurden laut Schneuwly durch politische Einflüsse reduziert – ein Schritt, um das Prämienwachstum zu drosseln. Dies führte jedoch zu einem späten Anstieg der Prämien, da die Reserven in den Jahren 2023 bis 2026 wieder aufgebaut werden mussten. «Nun sind die Reserven wieder genügend hoch», erklärt Schneuwly.
Comparis stützt seine Prognose auf verschiedene Parameter: Die jüngsten Daten der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, welche im November 2025 eine Steigerung der Gesundheitsausgaben um 3,5 Prozent für 2027 prognostizierte, sowie Kostendaten des BAG und Geschäftsberichte der zehn größten Krankenversicherungen in der Schweiz. Die Solvenz dieser Unternehmen und ihre Erträge an den Kapitalmärkten spielen eine entscheidende Rolle.
Schneuwly weist darauf hin, dass die Prognosen von zwei Faktoren abhängig sind: Zum einen könnten starke Renditen der Krankenversicherer am Aktienmarkt in einer Börsenkrise sinken. 2022 verzeichneten die Kassen eine Rendite von 5,4 Prozent trotz geopolitischer Unsicherheiten – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem langjährigen Durchschnitt von 1,6 Prozent.
Ein weiterer Faktor ist die Umstellung auf das Tarifsystem Tardoc für ambulante ärztliche Leistungen. Es bleibt abzuwarten, wie effektiv der Bundesrat den maximalen Kostenanstieg von 2,5 Prozent durchsetzen kann.
Das BAG geht gegenwärtig von höheren Prämien als Comparis aus und verweist darauf, dass die prämienfinanzierten Leistungen und Kostenbeteiligungen im Jahr 2025 um 5,2 Prozent gestiegen sind. Laut BAG folgen die Prämien dem Trend der steigenden Kosten.