Das Wallis steht vor einer langfristigen Herausforderung bei der Säuberung seiner mit Schadstoffen belasteten Standorte. Die Sanierung des Deponie-Gebiets Gamsenried wird erneut hinausgezögert, und es wurden zusätzliche PFAS-verunreinigte Orte entdeckt.
Industrielle Abfalldeponierungen aus vergangenen Jahrzehnten haben fast 1400 Standorte im Kanton mit gefährlichen Substanzen kontaminiert. Seit zwei Jahrzehnten bemüht sich der Kanton um die Beseitigung dieser Altlasten, doch es wird vorausgesagt, dass mindestens weitere zwanzig Jahre vergehen werden, wie das Departement für Mobilität, Raumentwicklung und Umwelt an einer Medienkonferenz am Dienstag (12. 5.) bekannt gab.
Die Behörden berichteten von einem gemischten Fortschritt: Seit 2022 wurden keine größeren neuen Verschmutzungen registriert. Doch die Umweltdienststelle DUW entdeckte in ihrer fortlaufenden Überwachung seitdem 33 weitere kontaminierte Standorte und sieht sich mit wachsenden Herausforderungen im Umgang mit PFAS sowie Verzögerungen bei Sanierungsprojekten aufgrund von komplexen Planungsfragen konfrontiert.
Aktuell sind 1386 verunreinigte Standorte im kantonalen Kataster eingetragen. Von diesen wurden bereits 728 untersucht und 190 saniert, während 97 auf ihre Sanierung warten. Dazu zählen Schießstände, ehemalige Deponien sowie Industriestandorte. Weitere 580 Standorte müssen vor Bauprojekten noch untersucht werden.
Die größte Sorge ist die Deponie Gamsenried bei Visp, wo der Pharmakonzern Lonza über Jahrzehnte seine Abfälle entsorgte. Angesammelt haben sich dort rund drei Millionen Kubikmeter Material, verseucht mit Quecksilber und hochgradig krebserregenden Stoffen wie Benzidin. Die Deponie ist undicht, und Schadstoffe sickern ins Grundwasser über eine Distanz von zwei Kilometern.
Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, plant der Kanton den Bau einer 1,6 Kilometer langen Dichtwand, die bis zu 30 Meter in den Boden eindringt. Obwohl die Baubewilligung vorliegt, verzögert sich der Beginn erneut. Ursprünglich sollte das Projekt im vergangenen Jahr starten, doch Lonza verschiebt nun auf Mitte 2026 oder sogar 2027. Die Gründe für die Verzögerung wurden nicht offengelegt. Der Kanton sieht die Sanierung als ein “Generationenprojekt”, das zwischen zwanzig und vierzig Jahre in Anspruch nehmen könnte.
Neben den Deponien gewinnt auch der Umgang mit PFAS an Bedeutung. Die DUW hat 2022 fünf PFAS-Schadstofffahnen identifiziert, die ihre Ursache in Gebieten haben, wo PFAS-haltige Löschmittel eingesetzt wurden. Besonders betroffen sind der Standort der ehemaligen Raffinerie in Collombey-Muraz und ein Chemiestandort in Monthey.
Die DUW lokalisierte 187 weitere Orte mit ehemalsem Einsatz von Löschschaum, die wahrscheinlich PFAS-belastet sind. PFAS-Verbindungen reichern sich in Organismen an und sind schwer abbaubar, weshalb umfassende Untersuchungs- und Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind. Der Kanton schätzt die Kosten für diese Maßnahmen auf rund eine Milliarde Franken bis 2045.
Nach dem Verursacherprinzip sollen die verantwortlichen Unternehmen für die Kosten aufkommen, wobei der Staat nur unterstützt, wenn keine Zahlungsfähigkeit besteht oder Gemeinden selbst für Schäden verantwortlich sind. Laut Kanton gab es bisher wenige Ausfälle.
Erfreulicherweise hat das Wallis bei der Sanierung von quecksilberbelasteten Standorten Fortschritte gemacht: Im Siedlungsgebiet wurden 95 Prozent der betroffenen Parzellen saniert, in landwirtschaftlichen Zonen ist die Sanierung abgeschlossen.