Die Tech-Branche zeichnet sich durch hohe Profitabilität bei geringem Personalbedarf aus – das neue Schlagwort lautet «Jobless growth».
Nvidia, bekannt für seine Computerchips zur künstlichen Intelligenz, verfügt über einen Börsenwert von 5700 Milliarden Dollar, was es zum wertvollsten Unternehmen weltweit macht. Zum Vergleich: Der kombinierte Marktwert aller an der Schweizer und deutschen Börse notierten Firmen beträgt ebenfalls 5700 Milliarden Dollar; sie beschäftigen geschätzt 10 Millionen Menschen, darunter Volkswagen mit 600 000 Angestellten.
Nvidia hingegen zählt lediglich 42 000 Mitarbeiter. Das ergibt einen Börsenwert von 136 Millionen Dollar pro Kopf, während bei VW der Wert pro Beschäftigtem nur 100 000 Dollar beträgt. Diese Superstar-Firmen, die auf Plattformmodellen basieren und den «Winner takes all»-Ansatz verfolgen, erleben seit etwa zehn Jahren einen beispiellosen Aufstieg.
2018 durchbrach Apple erstmals die Marke von 1000 Milliarden Dollar Börsenwert. Der Boom der Tech-Giganten – angeführt von den «magnificent seven»: Nvidia, Alphabet, Apple, Microsoft, Amazon, Meta und Tesla – hat sich weiter verstärkt; ihre gemeinsame Marktkapitalisierung liegt nun bei 24 000 Milliarden Dollar.
Besonders bemerkenswert ist Nvidias Erfolg mit weniger Personal im Vergleich zu Firmen der ersten Generation wie Apple oder Alphabet, die vier- bis fünfmal so viele Angestellte haben. Während ihre Marktkapitalisierung pro Mitarbeiter bei 24 Millionen liegt, erreichen europäische Topunternehmen wie Novartis und Roche lediglich 3 bis 4 Millionen Dollar.
Trotz hoher Gewinne schaffen diese Unternehmen kaum neue Arbeitsplätze. Die «magnificent seven» steigerten ihren Umsatz in drei Jahren um 50 Prozent, ohne die Belegschaft zu erweitern. Dies führt zum Phänomen des «jobless growth». Eine Studie von KPMG zeigt auf, dass der Boom der künstlichen Intelligenz das Bruttoinlandprodukt erhöht, jedoch keine neuen Stellen schafft.
Diane Swonk von KPMG weist darauf hin, dass viele Angestellte sich an ihre Jobs klammern, was zu einer Mobilitätsfalle führt. Die Kündigungsrate in den USA ist auf einen historischen Tiefstand gesunken. JP Morgan erwartet sogar eine Stagnation der Beschäftigungszahlen.
Michael Barr von der US-Notenbank Fed warnt vor einem «jobless boom», der viele Menschen beschäftigungsunfähig macht. Die Superstar-Firmen tragen zur sinkenden Lohnquote und zunehmender Ungleichheit bei, da sie oft von wenigen Schlüsselfiguren abhängig sind.
Die nächste Generation solcher Firmen könnte «solopreneurs» sein – Einzelpersonen, unterstützt durch KI-Anwendungen. Laut «The Economist» könnten bald die ersten «Ein-Personen-Unicorns» entstehen, da bereits Startups mit weniger als zehn Angestellten Milliardenbewertungen erreichen.
Obwohl diese Firmen für den technologischen Fortschritt unerlässlich sind, birgt ihre Dominanz Risiken. Eine Schwäche an der Börse könnte weitreichende negative Auswirkungen haben. Die Skepsis gegenüber KI wächst: 57 Prozent der Amerikaner sehen mehr Nachteile als Vorteile. Trotzdem bleiben Firmen wie Nvidia entscheidend für die Gesamtwirtschaft.