Am 14. Juni wird in der Schweiz über eine Initiative abgestimmt, die von der nationalkonservativen Partei SVP initiiert wurde und darauf abzielt, die Bevölkerungszahl auf maximal zehn Millionen zu begrenzen. Diese Maßnahme könnte erhebliche Auswirkungen auf die größte Migrantengruppe im Land haben: Deutsche Staatsangehörige.
Die Debatte in der Schweiz ähnelt Diskussionen, die auch in Deutschland bekannt sind, wo es hauptsächlich um Asylsuchende geht. In der Schweiz steht jedoch die Zuwanderung aus der EU im Mittelpunkt – darunter viele Deutsche. Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» soll verhindern, dass sich die Bevölkerungszahl vor dem Jahr 2050 erhöht. Die SVP argumentiert, dass die unkontrollierte Migration aus der EU für überfüllte Verkehrsmittel und niedrigere Löhne sorgt.
Sollte die Schweizer Bevölkerung diese Marke überschreiten, müsste die Regierung Maßnahmen ergreifen, einschließlich möglicher Kündigung von internationalen Abkommen zur Förderung der Migration. Die seit 2002 geltenden Freizügigkeitsabkommen mit der EU könnten davon betroffen sein.
Für viele Deutsche könnte dies weitreichende Folgen haben: Ende 2025 lebten etwa 339.000 Deutsche in der Schweiz, was sie zur zweitgrößten Migrantengruppe nach den Italienern macht. Zudem arbeiteten über 67.000 Deutsche als Grenzgänger in der Schweiz.
Deutsche Politiker äußern Sorgen vor dem Volksentscheid. Gregor Gysi, ein deutscher Bundestagsabgeordneter der Linkspartei mit familiären Wurzeln im Kanton Basel-Landschaft, spricht sich gegen die Initiative aus. Er sieht in einer starren Grenze keinen geeigneten Lösungsansatz für sozialpolitische Probleme und betont die Bedeutung flexibler Regelungen.
Ein weiteres Argument gegen die Initiative ist deren potenzielle Auswirkungen auf bestehende bilaterale Abkommen zwischen der Schweiz und der EU. Diese Abkommen regeln Themen wie Marktzugänge, Zölle und grenzüberschreitenden Verkehr. Die Guillotineklausel besagt, dass das Ende eines dieser Abkommen alle anderen ungültig macht.
Die deutsche Wirtschaft könnte durch neue Handelsbarrieren beeinträchtigt werden, da die Schweiz ein bedeutender Handelspartner ist. Felix Schreiner, CDU-Politiker und Vorsitzender der deutsch-schweizerischen Parlamentariergruppe, äußert ebenfalls Bedenken über negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Zusammenarbeit in den Grenzregionen.
Insgesamt blicken deutsche Politiker besorgt auf den Schweizer Volksentscheid, da er nicht nur die Bevölkerungszahl, sondern auch zukünftige bilaterale Beziehungen betrifft.