Was wie die Kulisse eines Thrillers klingt – skrupellose Geschäftsleute, profitorientierte Berater und Verbrecher – ist in Wirklichkeit das dunkle Fundament der Opioid-Epidemie in den USA. Diese Krise begann 1996 mit der Einführung des Schmerzmittels Oxycontin durch die Pharmafirma Purdue. Wie alle Opioide steht es in enger Verwandtschaft zu Heroin.
Um potenzielle Gefahren zu verbergen, verwendeten die Macher von Oxycontin das Marketingkonzept der «Pseudo-Abhängigkeit». Das Narrativ suggerierte: Pseudo-Sucht sei lediglich eine verzerrte Form nach Schmerzlinderung, die irrtümlich als Drogensucht gedeutet werde.
Intern instruierte Firmenchef Richard Sackler seine Mitarbeiter per E-Mail: «Die Süchtigen sind die Schuldigen. Sie sind die Täter und das Problem.»
Nach profitablen Jahren musste die Familie Sackler 2020 vor dem US-Kongress aussagen, was den Anschein eines Endes erweckte. Doch eine hochbezahlte Anwaltsriege ermöglichte es ihnen, diese Krise zu überstehen.
Die Sacklers und das Justizministerium einigten sich auf einen Vergleich wegen unrechtmäßiger Medikamentenvermarktung. Eine Tochtergesellschaft von Purdue zahlte eine Busse in Höhe von 650 Millionen Dollar. Trotzdem zogen die Sacklers nicht zurück, sondern versuchten, noch mehr Oxycontin zu verkaufen, unterstützt durch einen strategischen Plan der Beratungsunternehmens McKinsey.
Auf dem Markt trat ein starker Konkurrent auf: Fentanyl. Die Firma Insys brachte diesen hochgradig süchtigmachenden Stoff 2012 auf den Markt; bereits im Folgejahr erreichten die Aktien einen Wert von einer Milliarde Dollar. Auch Insys setzte auf aggressive Verkaufstaktiken und drängte Ärzte dazu, Rezepte auszustellen.
Ohne die Gesetzeslücken in Florida wäre die Opioid-Epidemie wohl nicht so schnell eskaliert. In den 2000er Jahren entstanden dort sogenannte «Pill Mills» – Scheinpraxen, die lediglich Schmerzmittel verkauften. Dies führte zu einem blühenden Geschäftszweig.
Ein Beispiel sind die Brüder George, die ohne medizinisches Wissen Opioide kauften und mit ihrer Klinik jährliche Gewinne von zwei Millionen Dollar erzielten. Die Polizei benötigte fünf Jahre, um ihr kriminelles Handeln zu beweisen.
Seit 2014 sind die Zeiten der «Happy Hour» für legale Händler vorbei. Während US-Behörden verstärkt gegen inländische Ursachen vorgingen, übernahmen mexikanische Drogenkartelle den Opioid-Handel.
Der Dokumentarfilm «Opioid-Krise in den USA» beleuchtet die Verbindungen zwischen der Pharmaindustrie, Beratungsfirmen und Drogenkartellen. Er nutzt bisher unveröffentlichte Archiv- und Insiderquellen.