Ein junger Mann mit gerade mal zwei Monaten Fahrpraxis rast in einem gemieteten Audi RS7, ausgestattet mit 600 PS, bei über 283 km/h über die Autobahn Zürich. Während er von seinen Beifahrern angespornt und gefilmt wird, verbreitet sich das Video live auf TikTok. Der Vorfall führt zu einem Strafverfahren gegen den 18-jährigen Raser. Er gesteht sein unverantwortliches Verhalten: «Ich hoffe auf eine Bewährungsstrafe und will nicht ins Gefängnis», sagt er.
Staatsanwalt Michael Huwiler, Leiter der spezialisierten Rasergruppe der Staatsanwaltschaft Zürich, führt das Verfahren. Er betont, dass die jüngsten Unfälle und Raserfälle häufig mit leistungsstarken Fahrzeugen in Zusammenhang stehen: «Die Zahl der Fälle hat sich im Kanton Zürich von 141 auf 230 innerhalb fünf Jahre erhöht.» Im Jahr 2025 gab es 30 Verkehrstote, sechs davon durch Raserunfälle – ein Viertel der Todesopfer.
Huwiler schlägt vor, die Leistungsfähigkeit von Autos für junge Fahrer in den ersten fünf Jahren zu beschränken. «Es ist erschreckend, dass sogar 400 PS starke Autos bei tödlichen Unfällen involviert sind», betont er.
Politikergewichtungen bestehen schon länger: Nationalrätin Gabriela Suter (SP/AG) fordert ein Leasing- und Mietverbot für leistungsstarke Fahrzeuge für Anfänger. Sie hatte bereits 2022 eine allgemeine PS-Beschränkung vorgeschlagen, scheiterte jedoch. Nun versucht sie es mit einer abgeschwächten Variante.
Nina Fehr Düsel von der SVP unterstützt die Initiative: «Gemietete oder geleaste leistungsstarke Autos sind oft bei Raserunfällen beteiligt.» Sie plädiert dafür, insbesondere Risikogruppen zu adressieren und nicht alle Junglenker einzuschränken.
Rechtsanwalt Raphaël Camp, der den Angeklagten vertritt, strebt nach einem abgekürzten Verfahren. «Das Ziel des Strafrechts ist nicht die Zerstörung wirtschaftlicher Existenzen», sagt er. Dennoch betont er: «Es ist eine strafbare Handlung.» Sein Mandant, mittlerweile 19 und in der Lehre, bereut seine Tat zutiefst.
«Es hätte tödlich enden können», resümiert der Raser. Er hat aus seiner Tat gelernt: «Ich hoffe, dass andere daraus die Konsequenzen ziehen.»
Rundschau, 25.03.2026, 20.10 Uhr