In der taiwanesischen Hauptstadt Taipei steht am Ufer des Tamsui-Flusses eine gut erhaltene Kopie der Freiheitsstatue. Einige Stellen zeigen jedoch Farbabplatzungen, was die derzeit ungewisse Zukunft der Beziehungen zwischen Taiwan und den USA symbolisieren könnte.
Donald Trump wird sich ab Donnerstag in Beijing drei Mal mit Xi Jinping treffen: erst bei einem bilateralen Gespräch, dann beim Staatsbankett und schliesslich zu Tee und einem Geschäftsessen. Mit dem Wunsch nach einem erfolgreichen „Deal“ reist der US-Präsident an, hat aber nur wenige Verhandlungsmittel dabei. In Taiwan besteht die Sorge, dass Trump sich über die seit Jahrzehnten bestehende US-Politik gegenüber China und Taiwan hinwegsetzen könnte.
China beansprucht Taiwan als Teil der Volksrepublik und droht bei Widerstand mit militärischen Maßnahmen. Chinas Aussenminister Wang Yi hat das Thema kürzlich als „größtes Risiko“ für die Beziehungen zwischen beiden Ländern bezeichnet.
Es wird erwartet, dass Xi Jinping die sogenannte „Wiedervereinigung“ Taiwans mit China als historische Notwendigkeit darstellen wird. Die Frage ist, wie Trump darauf reagieren wird.
Tony Hu, ehemaliger Oberstleutnant der US-Luftwaffe und Direktor für China- und Taiwan-Angelegenheiten im Verteidigungsministerium, meint: „Xi könnte darauf bestehen, dass Trump erklärt, die USA seien gegen eine Unabhängigkeit Taiwans.“ Doch Hu glaubt nicht an Konzessionen seitens Trumps. Er betont, dass der US-Präsident die Bedeutung Taiwans versteht und die Unterstützung für dessen Selbstbestimmung aufrechterhalten wird: „Trump wird standhaft bleiben“, so Hu.
Die offizielle US-Politik gegenüber China und Taiwan bleibt weiterhin ambivalent. Während Taiwan mit Waffen beliefert wird, ist unklar, ob die USA im Falle eines chinesischen Angriffs militärisch eingreifen würden.
Shen Ming-Shih, Sicherheitsexperte am Institut für nationale Verteidigungs- und Sicherheitsforschung INDRS, ist überzeugt, dass Xi Jinping Taiwan beim Treffen thematisieren wird. Er fragt: „Wie kann Taiwan ohne die USA militärisch, geschäftlich, wirtschaftlich und diplomatisch bestehen? Wir bereiten uns bereits auf Worst-Case-Szenarien vor.“
Die Mehrheit der Menschen in Taiwan hofft, dass es beim Status quo bleibt und Trump sich bei seinem wirtschaftlichen „Deal“ nicht von Taiwan ab- und China zuwendet.
Tagesschau, 9.5.2026, 19:30 Uhr