Shell, BP und Saudi Aramco profitieren von den durch den neuen Golfkonflikt verursachten Ölpreiserhöhungen. Dennoch bergen die Versorgungsengpässe auch Herausforderungen für diese Unternehmen. Anleger zeigen sich zurückhaltend.
Eine Einigung zwischen den USA und dem Iran bleibt weiterhin aus. Nach der Ablehnung von Trump gegenüber Vorschlägen Teherans stieg der Preis für Brent-Öl über 100 Dollar pro Fass, was die längste Hochpreisphase seit Beginn des Ukraine-Konflikts im Jahr 2022 darstellt.
Diese Preiserhöhungen führten zu beträchtlichen Gewinnen bei den Erdölunternehmen. Saudi Aramcos Gewinn kletterte von Januar bis März auf etwa 34 Milliarden Dollar, was einem Viertel mehr als im Vorjahr entspricht. Shell erzielte einen bereinigten Quartalsgewinn von fast 7 Milliarden Dollar, BP verdiente 3,2 Milliarden Dollar – beides deutlich höher als im Vorjahreszeitraum.
Die Aktienkurse dieser Unternehmen stiegen an: Shell und BP legten um knapp 30 bzw. 25 Prozent zu, während Total-Aktien fast 50 Prozent wertvoller wurden. Seit Ende März stagnieren die Kurse jedoch wieder, obwohl der Ölmarkt weiterhin unter Versorgungsproblemen leidet.
Die Meerenge von Hormuz bleibt ein gefährlicher Transportweg, und selbst bei einer Wiedereröffnung könnten Produktionsanlagen in den Golfstaaten Wochen oder Monate benötigen, um wieder vollständig zu laufen. Der Ölmarkt verzeichnet einen Angebotsmangel von 12 bis 15 Prozent – größer als während der Ölkrisen der 1970er Jahre.
Trotz Rekordgewinne sehen sich die Unternehmen Herausforderungen gegenüber, wie etwa finanziellen Abschreibungen bei stark steigenden Preisen. Shell musste allein im ersten Quartal mehr als 2 Milliarden Dollar abschreiben. Europäische Raffinerien könnten ihre Produktion drosseln müssen, wenn sich die Rohölpreise nicht stabilisieren.
Weltweite Öllagerbestände und strategische Reserven schwinden, was eine schnelle Reaktion auf das reduzierte Angebot verzögert. Shell-Chef Wael Sawan merkt an, dass der Kerosinbedarf erst um 5 Prozent gesunken ist.
Einige Konzerne können die aktuelle hohe Nachfrage nicht vollständig bedienen. Total beispielsweise muss auf 15 Prozent seiner Produktionskapazitäten verzichten. Saudi-Arabien exportierte im März 50 Prozent weniger Öl als zuvor.
Chevron und Exxon Mobil sind durch ihre größeren Fördermengen und geringere Abhängigkeit von der Golfregion gegenüber europäischen Konkurrenten besser aufgestellt. Trotzdem fordern die hohen Gewinne in Frankreich bei Total eine Übergewinnsteuer, während BP vor solchen Steuern warnt.
Angesichts dieser Unsicherheiten bleiben Anleger vorsichtig und mahnen auch ausgabefreudige Politiker zur Zurückhaltung.