Autokonzerne nutzen Düfte, um Markenwerte zu vermitteln – ob Sandelholz für Luxus oder Ingwer für Sportlichkeit. Doch gelingt dies nur, wenn regionale Vorlieben berücksichtigt werden: Europäer, Amerikaner und Asiaten haben unterschiedliche Geruchsvorstellungen.
Autofahrer identifizieren ihren Wagen oft schon am Duft – ein Ergebnis einer von Volkswagen bis 2025 durchgeführten Heycar-Studie. Die Autobauer setzen nun vermehrt auf den Geruchssinn, um potenzielle Käufer im Probesitz zu beeindrucken.
Ein Skoda-Händler aus dem Raum Köln bemerkt, dass Kunden zunehmend am Armaturenbrett schnuppern. Bei BMW betont Nils Hesse, Nachhaltigkeits-Chef, die Innenraumluftqualität als zentrale Produktmerkmal seiner Nachhaltigkeitsstrategie. Seit über 25 Jahren entwickelt der Konzern ein spezielles Geruchsprofil.
In Speziallaboren testen Experten Hunderte von Autoteilen – Lenkräder, Türverkleidungen oder Sitzbezüge – auf ihre Duftstoffeigenschaften. Materialien wie Lacke oder Leder beeinflussen das Gesamtaroma. Dieses Geruchsdesign ist international eine Herausforderung: Der Neuwagengeruch wird in Deutschland geschätzt, stößt jedoch in China auf Ablehnung.
Matthias Brunnermeier vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) berichtet, dass der ADAC vermehrt Anfragen zu ungewöhnlichen Fahrzeuggerüchen erhält. Auch der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe warnt vor stark belasteten Innenräumen.
Die IBP-Wissenschaftler messen die Konzentration flüchtiger Stoffe in speziellen Prüfkammern. Wichtige Richtwerte sind dabei: Unter dem ersten Richtwert verursachen Emissionen keine Gesundheitsschäden, während der zweite Richtwert einen Handlungsbedarf signalisiert. Kein getestetes Fahrzeug überschritt den gefährlichen Wert.
Judith Hemmerling von Freudenberg FT beschreibt die Herausforderung hartnäckiger Gerüche wie Schweiss oder Feinstaub, denen ihre Filter standhalten müssen. In ihren eigenen Autos wechselt sie zweimal im Jahr den Filter und verwendet häufig den Umluftmodus.
Die Klimaanlage wird zukünftig vermehrt im Umluftmodus betrieben, um Heizungseffizienz zu erhöhen und Luftqualität zu überwachen. Dies ist besonders relevant für das autonome Fahren, wo die Innenraumgestaltung zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Oberklassekunden schätzen seit 2013 bei Mercedes die individuelle Duftgestaltung durch Air Balance. Sabine Engelhardt, Duftdesignerin von Mercedes, erklärt, dass die Gerüche kulturelle Präferenzen widerspiegeln: Amerikaner bevorzugen Schokoladendüfte, Japaner Ume und Chinesen Lavendel.
Der deutsche Filterhersteller Mann + Hummel entwickelt sogar Vitamin-C-freisetzende Innenraumfilter. Diese Innovation zeigt den hohen Anspruch an Gesundheit und Wohlbefinden im Fahrzeuginterieur.