Eine junge Frau erwacht mit einem geschwollenen Gesicht und Bläschen auf der Haut, was sie zunächst mit einer Schönheitsbehandlung in Verbindung bringt. Die Kolumne «Hauptsache, gesund» beleuchtet das Thema.
Kürzlich kontaktierte mich verzweifelt eine meiner Nichten. Ihr Gesicht war so stark geschwollen, dass sie kaum noch sehen konnte. Auch ihr Hals zeigte ähnliche Symptome. Sie vermutete, dass eines der zwei Medikamente, die sie seit dem Vorabend einnahm, um ihre Monatsblutungen zu unterdrücken, die Ursache sein könnte. Diese waren notwendig für eine bevorstehende gynäkologische Operation. Das Internet bestätigte jedoch keine bekannten Allergie-Risiken dieser Medikamente.
Nachdem wir alternative Ursachen in Betracht zogen, stellte sich heraus, dass meine Nichte zwei Tage zuvor eine Gesichtsbehandlung in einem Kosmetikstudio hatte, bei der verschiedene Öle aufgetragen wurden – genau an den betroffenen Stellen. Dermatologe und Allergie-Epidemiologe Wolfgang Uter von der Universität Erlangen-Nürnberg äußerte sich dazu: «Es handelt sich vermutlich um eine Kontaktallergie, da Arzneimittel in der Regel großflächige Ausschläge verursachen.» Bei bis zu einem Viertel der Bevölkerung treten solche Allergien auf.
Eine allergische Reaktion entsteht, wenn ein Stoff die Haut durchdringt und sich mit Proteinen verbindet, sodass das Immunsystem sie als fremd erkennt. Die Symptome können nach 12 bis 72 Stunden auftreten – bei meiner Nichte innerhalb von drei Tagen.
Uter erklärt: «Warum manche Personen auf bestimmte Stoffe allergisch reagieren, ist noch unklar.» Häufiger Kontakt erhöht jedoch das Risiko. So sind Haarfärbemittel für Friseure oder Konservierungsmittel in Farben für Maler oft Allergieauslöser.
Uter vermutet ätherische Öle als Auslöser der Allergie: «Pflanzenstoffe, insbesondere Terpene in Zitrus- und Kräuterölen, können durch Oxidation hochallergen werden.»
Dies zeigt, dass Naturstoffe nicht automatisch gesünder sind als synthetische Produkte. Nach gründlicher Gesichtsreinigung ließen die Symptome rasch nach. Meine Nichte konnte sich wie geplant ihrer OP unterziehen.
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