Der Schulunterricht ist traditionell mit Disziplin und Lernen verbunden, doch das Entlastungsangebot «Loop» der Schule Studen Aegerten im Berner Seeland geht einen anderen Weg. Im Zentrum stehen die individuellen Interessen der Kinder: Spielen, Herumtollen oder Kochen sind nur einige Möglichkeiten. Lehrerin Nora Sieber, Leiterin des Programms, beschreibt es als Raum für Entspannung und nicht als Strafe. Zielgruppe sind Kinder aus allen Klassenstufen vom Kindergarten bis zur neunten Klasse, die in der Regelklasse Schwierigkeiten hatten und in einer Krise steckten.
Im Rahmen von «Loop» können verhaltensauffällige Schüler zur Ruhe kommen, sich hinlegen oder an Unterrichtsstoff arbeiten – Priorität hat jedoch die persönliche Stabilisierung. Nach bis zu vier Wochen vollzeitiger Teilnahme wird eine schrittweise Rückkehr in den Regelunterricht angestrebt. Dieses Programm ist der letzte Schritt vor einem möglichen Schulverweis.
Eine Mutter berichtet, dass ihre Tochter dank «Loop» lernen konnte, Konflikte besser zu managen und sich zurückzuziehen. Die Initiative entstand laut Schulleiterin Christine Stehlé aus einer Notlage, da das Lehrerteam mit bis zu 150 Mitarbeitenden an seine Grenzen stößt. Heute gibt es in jeder Klasse mehrere verhaltensauffällige Kinder als noch vor drei Jahrzehnten.
Obwohl Schulleitungen individuelle Lösungen für problematische Fälle entwickeln können, bemängelt Stehlé das Fehlen eines kantonalen Konzepts. Der Kanton Bern stellt laut Yves Brechbühler, Kommunikationsleiter der Bildungs- und Kulturdirektion, vor allem Ressourcen zur Verfügung und unterstützt Schulen durch Erziehungsberatung und Fachstellen, allerdings sei die Suche nach schnellen Lösungen anspruchsvoll.
Schulinspektorate dienen als erste Anlaufstelle für Beratungen. Dennoch müssen die Schulen selbst Wege finden, um mit verhaltensauffälligen Schülern umzugehen, eine bewusste Entscheidung des Kantons, der auf individuelle Lösungen setzt. Brechbühler betont, dass es im Kanton Bern kein universelles Konzept für alle Schulen gebe, aber die Zusammenarbeit verbessert werden müsse.
Die Pädagogische Hochschule bietet bereits Kurse zu Unterrichtsstörungen an und entwickelt gemeinsam mit dem Kanton einen Austausch zwischen Schule, Forschung und Verwaltung weiter. Das «Loop»-Programm ist Teil der integrativen Förderung und nutzt dafür Lektionen, die in den Regelklassen fehlen. Zukünftig plant die Schule eine Erweiterung des Angebots in Zusammenarbeit mit Nachbarsgemeinden.
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 7.4.2026, 6:31 Uhr