Zunächst hatten Berichte die Runde gemacht, dass nepalesische Guides aus Gewinnsucht Touristen vergiftet haben sollen, um Versicherungen um Millionen zu betrügen. Laut diesen Meldungen hätten sie bei Reisenden gesundheitliche Beschwerden hervorgerufen und teure Helikopterrettungen sowie Behandlungen in Privatkliniken provoziert.
Nachdem die «Everest Chronicle» Ende März darüber berichtete, griffen auch andere Medien die Geschichte auf. Die «Kathmandu Post» zitierte das Central Investigation Bureau (CIB), welches 4782 ausländische Patienten identifiziert haben soll. In 171 Fällen wurden nach Angaben der Behörde vorgetäuschte Helikopterrettungen und überhöhte Krankenhausrechnungen zur Versicherungsbetrug genutzt.
Trotz dieser Anschuldigungen gibt es keine Beweise für Vergiftungen. Die Vorwürfe reichen bis ins Jahr 2018 zurück, als berichtet wurde, dass Touristen dazu gebracht wurden, sich mit Helikoptern zu privaten Krankenhäusern fliegen zu lassen. Damals hiesse es, Diamox oder Backpulver seien verabreicht worden, um Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit herbeizuführen. Doch solche Medikamente werden von vielen Trekking-Touristen freiwillig eingenommen, da sie bei der Höhenanpassung helfen.
Die Vorwürfe gegen Guides sind verwunderlich, da die Akklimatisierung oft sorgfältig gehandhabt wird. Zudem wurden in den Berichten ausschließlich Reise- und Trekking-Anbieter genannt, nicht jedoch Expeditionsagenturen oder speziell Everest-Guides.
Die Nepal Mountaineering Association wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete sie als Falschmeldungen. Sie betonte, dass Rettungsaktionen immer das Ziel haben, Leben zu retten, und forderte Beweise für die Behauptungen.
Wie es zu den Meldungen kam, bleibt fraglich. Es könnte politische Motive dahinterstecken, da Nepal aktuell mit Korruptionsbekämpfung beschäftigt ist. Ein Gesprächspartner in Nepal merkte an, dass falsche Berichte schnell als Wahrheit akzeptiert werden und die Unterscheidung zwischen Bergexpeditionen und Treks oft missachtet wird.
Ein Aspekt der Berichterstattung blieb unerwähnt: Manchmal werden medizinische Notfälle vorgetäuscht, um einen Helikoptertransport als Rettungseinsatz abzurechnen. Solche Praktiken sind nicht nur im Himalaja bekannt, sondern auch in den Alpen.
Trotz der anfänglichen Empörung zeigt sich nun, dass die Berichte über Vergiftungen und Versicherungsbetrug im Himalaja größtenteils auf Falschinformationen basierten.