Laut Schätzungen wurden etwa 20’000 ukrainische Kinder in Russland entführt, um ihre Identität und Staatsbürgerschaft zu ändern und zur Adoption freigegeben zu werden. Diese Handlungen gelten als eine der schrecklichsten Facetten des Krieges, so EU-Kommissarin Martha Kos. Die Europäische Union hat beschlossen, Russland für diese Verbrechen finanziell in die Pflicht zu nehmen.
Am Montag verhängte die EU neue Sanktionen gegen 16 Einzelpersonen und sieben Organisationen, die an der Deportation und Zwangsadoption ukrainischer Kinder beteiligt sind. Trotz internationaler Anstrengungen konnten laut ukrainischen Behörden bisher etwas mehr als zweitausend Kinder zurückgeführt werden.
Die EU sieht es als ihre Verantwortung, Russland für alle Kriegsverbrechen unter Putins Führung zur Rechenschaft zu ziehen. Dazu gehört insbesondere die Verschleppung von Kindern, betonte der litauische Aussenminister Kestutis Budrys.
Mit den Sanktionen möchte die EU ein Zeichen des Widerstands setzen: Betroffen sind unter anderem eine Leiterin eines Lagers, in dem ukrainische Minderjährige festgehalten werden, sowie Einrichtungen, die für die Indoktrination und militarisierte Erziehung der Kinder zuständig sind. Die EU betont, dass Russland internationales Recht verletzt und die Grundrechte von Kindern missachtet.
Den sanktionierten Personen ist die Einreise oder Durchreise nach Europa untersagt, und falls vorhanden, werden deren Vermögenswerte in der EU eingefroren. Die Sanktionsbeschlüsse fielen während einer internationalen Konferenz in Brüssel, die von der EU gemeinsam mit Kanada und der Ukraine organisiert wurde. An der Konferenz nahmen 47 Länder und internationale Organisationen teil, die Teil einer Koalition sind, die zwei Jahre zuvor von Kanada ins Leben gerufen wurde, um verschleppte ukrainische Kinder zu identifizieren und zurückzubringen.
Die Schweiz nimmt heute erstmals als Mitglied an den Treffen dieser internationalen Koalition teil. Zuvor war die Schweiz lediglich beobachtend beteiligt, übernimmt jedoch in der Regel die von der EU gegen Russland verhängten Sanktionen.