Auf einer Reise von Dortmund nach Oberstdorf im IC “Allgäu” wird deutlich, wie die Deutsche Bahn (DB) mit Problemen zu kämpfen hat – und ob der Zug sein Ziel überhaupt erreicht. In Dortmund Hauptbahnhof fährt der Intercity 2013 “Allgäu” sechs Minuten nach Plan ab. Diese Definition von Pünktlichkeit ist laut DB weniger streng als jene der SBB, was die Verspätungen unterstreicht: Im Jahr 2025 erreichen nur etwa 60 Prozent der Fernzüge ihr Ziel pünktlich – ein neuer Negativrekord.
Der IC “Allgäu” trug im Vorjahr laut Analyse des “Merkurs” erheblich zu diesen Verspätungen bei. Obwohl die DB angibt, dass dies aktuell nicht der Fall sei, bleiben die Probleme bestehen. Der Zug hatte seit Ende März mehrere Male sein Ziel erst in Stuttgart oder Kempten erreicht und kam am Vortag mit 68 Minuten Verzug in Oberstdorf an.
In Köln Hbf hat der Zug etwas Zeit aufgeholt, wartet jedoch vor dem Bahnhof und kommt sechs Minuten nach Plan. Große Knotenpunkte wie Köln sind Nadelöhre im deutschen Schienennetz, das laut DB überlastet, veraltet und störungsanfällig ist.
Der IC “Allgäu” bietet eine direkte Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und dem Allgäu, ohne die Schnellstrecke Köln–Rhein/Main zu nutzen. Er führt entlang des Rheins, was laut DB von Passagieren geschätzt wird.
In Koblenz Hbf ist die Verspätung auf acht Minuten angewachsen. Auf der Strecke nach Mainz wechselt der IC das Gleis. Ein eingleisiger Abschnitt wird wegen Sanierungsarbeiten zur Herausforderung, was laut DB zu Pünktlichkeitsproblemen beiträgt.
Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Bahn, sagt, dass es zehn Jahre dauern werde, das Schienennetz wieder in Ordnung zu bringen. Sie hat hohe Ziele: Die DB soll die beste Eisenbahn Europas werden. In Mainz Hbf kommt der “2013” nur drei Minuten verspätet an und holt seine Verspätung auf.
In Vaihingen (Enz) fährt der Zug zehn Minuten vorzeitig ein, was eine Passagierin nutzt, um Yoga-Übungen zu machen. Die DB führt die Verzögerung auf Bauarbeiten und begrenzte Kapazitäten zurück.
In Stuttgart Hbf übernehmen Diesellokomotiven der Baureihe 218 den Zug für den nicht elektrifizierten Abschnitt ab Ulm. Diese Loks sind das letzte Mal im Fernverkehr im Einsatz, und die DB hat zwei von ihnen in historischer Lackierung ausgestellt.
Peter Füglistaler, ehemaliger Direktor des Schweizer Bundesamts für Verkehr (BAV), begutachtet Stuttgart 21. Er kritisiert den radikalen Ansatz, einen Kopfbahnhof durch einen Tiefbahnhof zu ersetzen.
In Plochingen ist die Verspätung auf achtzehn Minuten angewachsen. Füglistaler weist darauf hin, dass das Schweizer System der Leistungsvereinbarungen bewundernswert sei und sich in Deutschland umsetzen lasse.
Nach einem unplanmäßigen Halt wegen einer Störung in Gingen (Fils) muss der IC 2013 ausfallen. Die Passagiere wechseln auf eine Regionalbahn, da die alte Lokomotive nicht über die Geislinger Steige fahren kann. Ulm Hbf ist nun die endgültige Haltestelle.
In Memmingen ist der Zug trotz sichtbarer Allgäuer Alpen um 16:44 Uhr zu spät für die Weiterfahrt nach Oberstdorf. Die DB plant, den “2013” im Juli auf neue Lokomotiven und ICE-L-Garnituren umzustellen, hofft aber, dass das Netz weiterhin Herausforderungen bereithält.
Am nächsten Tag endet die Fahrt erneut in Stuttgart – ein Hinweis darauf, wie anhaltend die Probleme sind.