Die Chancen auf Asyl sind für jüngere Männer aus Algerien, Marokko und Tunesien praktisch nicht vorhanden; fast zwei Drittel der Gruppe geraten in rechtliche Schwierigkeiten. Diese sogenannten “Harraga”, was so viel wie “jene, die ihre Papiere verbrennen” bedeutet, füllen nun die Statistiken über Kriminalität aus. Kantone reagieren mit verstärkten Patrouillen und beschleunigten Verfahren.
An einem nasskalten Aprilmorgen zieht Mahmoud, ein 21-jähriger Algerier, der in der Schweiz Asyl beantragt hat, die Kapuze seines dicken Pullis tief ins Gesicht. In Embrach im Zürcher Unterland wirkt er etwas verloren. Er träumt von einem besseren Leben, obwohl er nicht sicher ist, wie und wo.
Nach den neuesten Daten des Staatssekretariats für Migration (SEM) wurden 2022 nur 0,3 Prozent der Asylgesuche von Algeriern bewilligt. Ähnlich niedrig sind die Quoten bei Marokko mit 0,7 Prozent und Tunesien mit 2,5 Prozent. Im Vergleich dazu liegen sie in Ländern wie Eritrea (45,1 Prozent) und Afghanistan (43,1 Prozent) deutlich höher.
Die Berichterstattung der “Weltwoche” über die nordafrikanischen Asylbewerber als eine “politische Bombe” wird durch kantonale Sicherheitsberichte untermauert. So stieg beispielsweise im Thurgau die Zahl der Autodiebstähle um 242 Prozent, wobei die Hälfte dieser Fälle von nordafrikanischen Asylbewerbern begangen wurde.
Im Aargau wurden etwa drei Viertel der 900 untersuchten Delikte auf Personen aus dem Maghreb zurückgeführt. Auch in St. Gallen und Zürich fallen die jungen Männer durch eine hohe Kriminalitätsrate auf. Ein Sprecher der Kantonspolizei in St. Gallen beschreibt das Gefühl, in einem Kreislauf von Wiederholungstätern gefangen zu sein.
Um dieser Situation entgegenzuwirken, setzen die Behörden auf verstärkte Zusammenarbeit und schnellere Gerichtsverfahren, da viele Täter bereits nach 48 Stunden wieder frei sein müssen. Das SEM hat seit Anfang 2024 “strategische runde Tische” eingerichtet und eine Task-Force zur Bekämpfung der Intensivtäter gegründet.
Der Journalist Beat Stauffer kritisiert, dass das Asylsystem durch diese Fälle überlastet wird. Er fordert eine Gesetzesänderung, die nur noch Anträge mit zwingenden Gründen bearbeitet. Ein internes SEM-Dokument zeigt, dass viele Migrationen aus wirtschaftlichen und familiären Überlegungen resultieren.
Mahmoud, derzeit im Asylzentrum in Embrach, bleibt unentschlossen über seine Zukunft. Seine Entscheidung, ob er auf der Seite der Kriminalität oder des gesetzestreuen Lebens enden wird, steht noch aus.