Der Kantonsrat wird vermutlich einen Gegenvorschlag zu einer Initiative genehmigen, die eine strikte Nachtruhe am Flughafen Zürich fordert. Allerdings wird dieser als wirkungslos angesehen. Am Montag versammelten sich Führungskräfte der Flughafen Zürich AG im Zürcher Rathaus, darunter CEO Lukas Brosi und Verwaltungsratspräsident Josef Felder, um über die Nachtruhe-Initiative zu diskutieren. Diese verlangt eine drastische Reduzierung des Flugverkehrs nach 23 Uhr, was den Betrieb des internationalen Drehkreuzes gefährden würde. Nach einer kurzen Debatte von weniger als zwei Stunden wurde klar: Die Initiative wird kaum umgesetzt. Eine solche schnelle Ablehnung ist selten für Volksinitiativen. Die Initianten setzen sich für eine strikte Nachtruhe ein, während der Flughafen momentan die halbe Stunde zwischen 23 und 23:30 Uhr zum Verspätungsabbau nutzen darf. Obwohl Zürichs Nachtruhe zu den strengsten Europas zählt, stören späte Flüge Anwohner. Die Meinungen darüber, wie der Flugverkehr reduziert werden kann, gehen auseinander. Dennoch ist die Zahl der Flüge nach 23 Uhr von 3506 im Jahr 2023 auf 2817 im Vorjahr gesunken. Der Flughafen hat langfristige Pläne zur Verbesserung, darunter Pistenverlängerungen und ein neues Betriebsreglement für Südstarts bei Bise. Kritiker vermuten jedoch Kapazitätserhöhungsabsichten hinter diesen Maßnahmen. Da der Flugverkehr Bundessache ist und der Kanton keine Zuständigkeit hat, erwog der Regierungsrat, die Initiative als ungültig zu erklären. Er entschied sich stattdessen für eine Volksabstimmung. Die vorberatende Kommission des Kantonsrats lehnte einstimmig die Initiative ab. Die Kommission war sich uneinig über einen Gegenvorschlag; Bürgerliche unterlagen einer Mitte-links-Koalition. Dieser sieht mehr Transparenz bei Flugbewegungen nach 23 Uhr vor, einschließlich eines jährlichen Berichts und Kantonsratsdebatte. Ueli Bamert (SVP) kritisierte den Gegenvorschlag als legitimierenden Murks. David Galeuchet (Grüne) sah das Bedürfnis nach Lärmminderungsmaßnahmen, etwa durch wirksame Gebühren. Felix Hoesch (SP) äußerte Skepsis über die Nachhaltigkeit der Bemühungen des Flughafens. Rot-Grün versuchte, den Gegenvorschlag zu verschärfen: schnelle Rechenschaftspflicht für Nachtflüge, Genehmigung statt Kenntnisnahme von Berichten und höhere lärmabhängige Gebühren. Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) wies einige Punkte zurück, insbesondere die direkte Einflussnahme des Kantons im Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG. Der Rat lehnte alle Vorschläge ab. Die Abstimmung über den Gegenvorschlag findet in einigen Wochen statt. Die Mehrheit sieht ihn als wirkungslos an; Hoesch nannte ihn „schwammig“, Bamert „peinlich“. Trotzdem ist Walker Späh mit dem Gegenvorschlag zufrieden, wie auch die Initianten, die bereit sind, ihre Initiative zurückzuziehen. Urs Dietschi vom Verein „Fair in Air“ bezeichnet den Gegenvorschlag als kleinen Schritt nach vorne. Die Initianten akzeptieren ein Minimum – bedingt durch die fehlende Kompetenz des Kantons bei Betriebszeiten, wie Dietschi erläutert. Die Initiative wird wohl ohne Volksabstimmung enden. Flughafenchef Felder zeigte sich positiv überrascht über den sachlichen Verlauf der Debatte.