Die Klarinette ist für Giora Feidman mehr als ein Instrument; sie ist das Mikrofon seiner Seele, durch das er seine tiefsten Gefühle mit dem Publikum teilt. Musikalisch geht es ihm um eine innere Offenbarung, die weit über bloße Klänge hinausgeht und eine Haltung ausdrückt.
«Gott hat einen Plan für mich – für uns alle», erklärt Feidman. «Ich bin ein Diener der Gesellschaft. Und ich werde weitermachen. Und überall spielen, wo man mir zuhören möchte.» Tatsächlich steht er noch immer auf der Bühne und spricht von Freundschaft, Liebe und Menschlichkeit, wodurch er nach wie vor viele Menschen erreicht.
Als «King of Klezmer» bekannt, hat Feidman den traditionellen Stil aus seinem jüdischen Ursprung herausgelöst und in die großen Konzertsäle gebracht – bis hin zu Hollywood. Klezmer ist die Hochzeits- und Festmusik der Juden Osteuropas mit Wurzeln im 16. Jahrhundert, deren Blütezeit Ende des 19. Jahrhunderts lag.
Nachdem jüdische Auswanderer sie in die USA gebracht hatten, verlor Klezmer Mitte der 1950er an Popularität und verschwand fast. Seit den späten 1970ern erlebt die Musik jedoch ein Revival mit einer lebendigen internationalen Szene.
Feidmans Stil ist bewusst offen; er spielt keine musikalischen Schubladen. Seine Aufnahmen umfassen Werke von Mozart, Piazzolla, Schubert, den Beatles und Gershwin. «Alles, was aus Noten besteht, ist Musik», betont er.
Feidman verbindet Klezmer mit Elementen aus Klassik, Jazz, Tango und Filmmusik, wodurch ein unverwechselbarer Stil entsteht, der viele anspricht. Mit seiner Musik trägt er die Botschaft «Frieden durch Musik» in die Welt.
Feidman wurde am 25. März 1936 in Buenos Aires in eine jüdische Musikerfamilie hineingeboren und begann trotz einer starken Sehbehinderung früh mit dem Klarinettenunterricht. Mit 18 Jahren trat er dem Teatro Colón bei, bevor er 1956 nach Israel auswanderte, um im Israel Philharmonic Orchestra zu spielen.
In den 1970ern startete Feidman seine internationale Solokarriere und wurde für Theater und Film bekannt, darunter die Melodien für «Schindlers Liste». Trotz seiner Kindheitserfahrungen in Argentinien betrachtet er Deutschland als Heimat und betont das positive Verhältnis zwischen Juden und Deutschen.
Seine Konzerte sind Begegnungsorte, trotz der Spannung mit dem zeitgenössischen Antisemitismus. Feidman sieht seine Musik als aktuelle Botschaft: «Frieden durch Musik» schafft Räume für menschliche Begegnungen.
Er arbeitet mit Künstlern aus politisch konfliktreichen Ländern zusammen, darunter Majid Montazer, einem iranischen Komponisten und Musiker. Diese Zusammenarbeit ist ein Symbol der Versöhnung jenseits von Nationalitäten und Religionen.
Feidman wird nicht nur als Musiker, sondern als Vermittler einer Botschaft geschätzt, die Menschen tief berührt – immer wieder aufs Neue.