Obwohl sich Grossbritannien als liberaler Staat betrachtet, pflegt es eine Kultur zahlreicher Verbote. Ein neues Gesetz verbietet nun Menschen, die nach dem Jahr 2008 geboren wurden, Zigaretten zu kaufen, was als übermässige Bevormundung angesehen wird.
Der Vorwand für solche Massnahmen ist oft der Schutz der Bürger, doch das neue Anti-Rauch-Gesetz in Grossbritannien verbietet Menschen, die nach 2008 geboren wurden, den Kauf von Tabakwaren. Gesundheitsminister Wes Streeting bezeichnet dies als einen historischen Moment: «Kinder im Vereinigten Königreich werden Teil der ersten rauchfreien Generation sein, die vor Sucht und Gefahr geschützt wird.»
Das Ziel ist es, Jugendliche von vornherein vom Rauchen abzuhalten, um ihnen das mühsame Aufhören zu ersparen. Grossbritannien folgt damit den Malediven als zweites Land weltweit mit einem solchen Verbot. Neuseeland hatte 2022 einen ähnlichen Versuch unternommen, doch die Nachfolgeregierung kippte das Gesetz wieder. Nur Bhutan ging weiter und untersagte 2004 den gesamten Tabakverkauf.
Die Jahreszahl 2008 erscheint zunehmend willkürlich. In zehn Jahren dürfen nur Menschen unter 28 Zigaretten kaufen, in zwanzig Jahren sind es diejenigen unter 38 Jahre und so weiter. Ein einzelner Tag kann entscheidend sein.
Da das Rauchen selbst nicht verboten ist, könnten ältere Mitarbeiter jüngeren Kollegen Zigaretten geben, was zu einem Schwarzmarkt führen könnte, ähnlich der Alkoholprohibition in den USA. In Bhutan führte dies zur Blüte illegaler Handelsaktivitäten mit eingeschmuggeltem Tabak aus Indien und sogar zu steigendem Konsum.
Das grundsätzliche Problem ist die Überschreitung staatlicher Befugnisse durch solche Verbote. Schon heute sind Zigaretten stark besteuert, kosten bis zu 20 Franken pro Packung, die Verpackung abschreckend gestaltet und Tabakwerbung verboten. Eine Altersgrenze von 18 Jahren beim Kauf gilt bereits, der allgemeine Trend geht hin zur Gesundheitsförderung.
Obwohl jeder weiss, dass Tabak schädlich ist, stellt sich die Frage: Heiligt der Zweck die Mittel? Warum sollte nicht auch das Prinzip «Mein Körper, meine Wahl» auf das Rauchen angewendet werden?
Grossbritannien sieht sich als liberales Land, doch im europäischen Vergleich ist es durch hohe Alkoholsteuern, Werbeverbote für ungesunde Lebensmittel und strenge soziale Medienregeln restriktiv. Diese Bevormundung wird oft mit linken Obsessionen assoziiert, doch in Grossbritannien sind sich Labour und Tories häufig einig. Das Tabakverbot wurde von dem ehemaligen konservativen Premierminister Rishi Sunak eingeführt und von der Bevölkerungsmehrheit unterstützt.
Die Frage ist weniger, warum die Regierung in den privaten Alltag eingreift, sondern warum die Briten dies akzeptieren oder sogar fordern. Eigenverantwortung und Freiheit sollten gelten: Wer gegen das Rauchen ist, sollte sich davon fernhalten. Das Verlangen nach staatlichem Schutz vor Gefahren ist jedoch ein infantiles Konzept.