Vom 1. Januar 2010 bis zum 30. Juni 2023 war Guido Graf als Regierungsrat für den Kanton Luzern tätig, zuletzt leitete er das Gesundheits- und Sozialdepartement. Nach seiner Nichtanmeldung zu den Gesamterneuerungswahlen 2023 trat er von seinem Amt zurück. Seit 2019 bekleidete der Politiker aus Pfaffnau/LU die Position des Verwaltungsratspräsidenten beim Luzerner Sozialversicherungszentrum Wirtschaft Arbeit Soziales (WAS) und gab diese sowie das Amt als Stiftungsratspräsident von Pro Senectute Luzern im Februar auf.
Gemäss der Luzerner Regierung haben Vorwürfe gegen Graf bei Recherchen der “Luzerner Zeitung” an Bedeutung gewonnen. Demnach soll er sich Aufträge zugeschanzt, Vergütungen selbst festgelegt und unrechtmäßig Fahrspesen verbucht haben. Graf widerspricht diesen Anschuldigungen energisch:
“Die Vorwürfe sind nicht miteinander verbunden und werden von mir entschieden zurückgewiesen. Eine strafrechtliche Untersuchung prüft, ob relevantes Fehlverhalten vorliegt. Die Unschuldsvermutung gilt bis zum Abschluss der Untersuchung, die durch Amtsgeheimnisentbindungen in der kantonalen Verwaltung ermöglicht wird.
Ein Regierungsratsbeschluss aus November 2019 bestätigte das Vorhaben nach rechtlicher Klärung. Graf sieht keinen Missbrauch seines Amtes oder unrechtmäßige Vorteile, die er sich verschafft habe.
Graf betont, dass er kein Verwaltungsratshonorar bis zu seinem Rücktritt bezog und weist die Vorwürfe der fehlerhaften Spesenabrechnungen zurück. Eine geringfügige Mehrentschädigung von 100 Franken bei WAS sowie eine Abweichung von 850 Franken bei WAS Immobilien AG wurden festgestellt, doch Graf wurde weniger ausbezahlt als im Bericht erwähnt.
Parlamentarier und die Regierung fordern Rückzahlungen der strittigen Spesen. Graf ist dieser Aufforderung nicht bekannt; er verweist darauf, dass es Aufgabe des aktuellen WAS-Verwaltungsrates sei. Weiterhin wird ihm vorgeworfen, sich selbst Aufträge erteilt zu haben, was er bestreitet: Seine Firma habe keine Entschädigungen erhalten und seine Tätigkeit als Verwaltungsrat erfolgte in Kommissionen.
Graf zog seinen Rücktritt freiwillig zurück, um die Arbeit der WAS nicht zu stören. Trotz Reputationsschaden hält er an seiner Art, das Projekt zu leiten, fest: Er betont den Bedarf an Führungspersonen bei der Leitung einer Einheit mit über 700 Mitarbeitenden.
Das Interview wurde schriftlich geführt.