Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich durch fehlgeleitete Drohnen im Baltikum und Finnland unvermutet intensiviert. Obwohl bisher keine nennenswerten Schäden zu verzeichnen sind, werfen diese Vorfälle Fragen zur Flugabwehrbereitschaft auf.
In der Nacht erhielt Are Rebas eine Warnmeldung über sein Handy. Am nächsten Morgen berichteten Medien von einer möglichen Explosion in seiner Nähe. Kurz darauf erschienen Polizei und Minenräumer auf seinem Feld im estnischen Hammaste. “Ich bin besorgt darüber, wie weit das noch gehen wird”, äußerte er gegenüber der Zeitung Postimees.
Nicht nur Rebas, auch viele im Nordosten Europas sind beunruhigt. Die Ukraine hat seit letzter Woche verstärkt russische Häfen bei Ust-Luga und Primorsk angegriffen, wobei einige Drohnen vom Kurs abkamen und in das Baltikum oder nach Finnland gelangten.
Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo erklärte am Dienstag: “Der Konflikt hat sich an die Grenzen heranbewegt.” Er betonte jedoch, dass die Ukraine ein legitimes Recht auf Selbstverteidigung habe und es wahrscheinlich ist, dass Angriffe auf Erdölhäfen fortgesetzt werden.
In Finnland stürzte eine der Drohnen mit Sprengstoff in Kouvola ab. Die Bevölkerung wurde nicht gewarnt, da laut Militär keine Gefahr bestand. Eine weitere Drohne geriet aus dem Radar und es blieb unklar, wo sie landen würde. Am Dienstag entdeckten die Behörden bei Parikkala eine dritte Drohne, ohne Informationen über ihre Anwesenheitsdauer im Luftraum.
Der Kommandant der finnischen Luftwaffe räumte ein, dass F/A-18-Kampfjets Schwierigkeiten haben, Drohnen zu erkennen. Mit dem geplanten Wechsel auf F-35-Kampfjets soll sich dies ändern. Die Regierung kündigte zudem Investitionen in die Drohnenabwehr an, mit einem Warnsystem bis 2027.
In Estland wurden Bürger bereits im Vorfeld gewarnt: SMS-Nachrichten forderten zur Vorsicht bei Sichtung von Drohnen auf. Der Vorfall eines Einschlags in einen Schornstein in Auvere führte zu Diskussionen über den Schutz kritischer Infrastrukturen.
Russland verbreitet Falschmeldungen, die behaupten, ukrainische Drohnen würden aus Finnland gesteuert. Orpo widersprach dieser Propaganda entschieden: “Das stimmt nicht und wäre weder erlaubt noch akzeptiert.”
Laut estnischem Militär flogen die Drohnen im russischen Luftraum entlang der Nato-Ostgrenze bis zum Finnischen Meerbusen. Das lettische Verteidigungsministerium vermutet, dass Russland durch Desinformation von seinen Versäumnissen ablenken möchte, Angriffe auf wichtige Erdölhäfen abzuwehren.