In seinem Haus, das den klaren Linien und hohen ästhetischen Ansprüchen eines Designers entspricht, reflektiert Hartmut Esslinger über seine prägende Rolle bei Apple. Mit sorgfältig ausgewählten Möbeln und einer Liebe zum Detail zeigt der 81-jährige seinen Parkettboden, auf dem keine Nägel sichtbar sind. Als erster Chefdesigner von Apple trug Esslinger maßgeblich zur Entwicklung des ikonischen Designs bei. Er arbeitete eng mit Steve Jobs zusammen, dessen Einfluss in den frühen 1980ern trotz seiner damals unbeliebten Persönlichkeit spürbar war.
Esslinger erinnert sich an die chaotische Designstruktur von Apple Anfang der Achtziger, als jede Abteilung ihr eigenes Designteam hatte. Steve Jobs erkannte jedoch die Notwendigkeit einer einheitlichen Designsprache und initiierte einen globalen Wettbewerb für den neuen Apple IIc. Esslinger, dessen Designkompetenz sich bereits in jungen Jahren abzeichnete, gewann diesen Wettbewerb.
Nach seinem Studium zum Elektroingenieur studierte er an der Hochschule für Gestaltung und setzte dort seine erfolgreiche Laufbahn fort, die ihn schließlich zur Elektronikfirma Wega brachte. Seine Erfahrungen bei Sony legten den Grundstein für seine spätere Arbeit bei Apple.
Auf einer Geschäftsreise lernte Esslinger Steve Jobs kennen und erkannten schnell ihre gemeinsamen Vorstellungen. Bei ihrem ersten Treffen war die direkte Kommunikation zwischen beiden offensichtlich: Jobs wollte Millionen von Macs verkaufen, aber das Design musste verbessert werden. Esslinger übernahm daraufhin die Rolle des Chefdesigners bei Apple und entwickelte die Designsprache „Snow White“, die den Grundstein für alle zukünftigen Produkte legte.
Esslinger arbeitete nicht nur im Silicon Valley, sondern auch im Schwarzwald an diesen Entwürfen. Seine Firma „Frog“ wurde zum Zentrum der Designaktivitäten und führte zu einer engeren Zusammenarbeit mit Jobs. Trotz der rauen Direktheit von Jobs schätzte Esslinger dessen klare Vision.
Nachdem Steve Jobs 1985 aus Apple entlassen wurde, folgte Esslinger ihm zur Firma Next, wo sie erneut zusammen an neuen Computern arbeiteten. Doch Esslinger blieb bei verschiedenen Projekten aktiv und konzentrierte sich später auf das Unterrichten von Designstudenten.
Als Steve Jobs 1996 zu Apple zurückkehrte, erlebte die Firma einen Aufschwung mit dem farbigen iMac und iPod. Obwohl Esslinger nicht mehr für Apples Design verantwortlich war, bleibt seine Einflussnahme unbestritten. Er sieht heute jedoch kritisch auf das Unternehmen, da es seiner Meinung nach an innovativen Designs mangelt. Seiner Ansicht nach hat Apple die Notwendigkeit von gutem Design erkannt und etabliert, doch der Erfindergeist sei verloren gegangen.