Im Hauptsitz der Kistler Group in Winterthur, Schweiz, entstehen in einem speziellen Aussenquartier Quarzkristalle. Die Natur benötigt für deren Entstehung Jahrtausende; Kistler schafft es jedoch, sie innerhalb von zwei Wochen und mit einer Wachstumsrate von etwa einem Millimeter pro Stunde zu züchten. Diese piezoelektrischen Kristalle sind unverzichtbar für die Produktion der weltweit genauesten Hochleistungssensoren – Produkte, die in Industrie, Luftfahrt und Raumfahrt Anwendung finden. Trotz dieser herausragenden Technologie gerät Kistler durch die protektionistischen Handelspolitik von Donald Trump unter Druck. Trump betrachtete Handelsbilanzüberschüsse als ‘Diebstahl’ und setzte Zölle auf Importe, wodurch auch unverrückbare Firmen wie Kistler betroffen waren. Kistler ist ein tief verwurzeltes Hightech-Unternehmen mit 2000 Angestellten. Sein Erfolg gründet auf einem komplexen Netzwerk aus Hochschulen, Lehrlingen und lokalen Partnern – eine Struktur, die sich nicht einfach verschieben lässt. Nach Donald Trumps Ankündigung von Strafzöllen im April 2025 setzte Kistler eine Task-Force ein und beschloss vorläufige Maßnahmen wie Auftragsmoratorien in den USA. Trotz eines kurzfristigen Aussetzens der Zölle folgte ein Basistarif von 10 Prozent, während Verhandlungen mit den betroffenen Staaten begannen. Roland Sommer, Leiter der Kristallentwicklung bei Kistler, präsentiert die verschiedenen Kristalle, die bis zu extremen Temperaturen ihre Eigenschaften behalten. Diese Kristalle sind für spezielle Anwendungen wie Gasturbinen oder Mikrochip-Fertigung unerlässlich und besitzen einen unschätzbaren Wert. Als ‘hidden champion’ ist Kistler weltweit führend in einem hochspezialisierten Technologiebereich. Der Erfolg basiert stark auf der Zusammenarbeit mit Hochschulen wie der ETH Zürich und der EPFL Lausanne, von denen viele Fachkräfte stammen. Trotz eines optimistischen Ausblicks Ende Juli 2025 blieb die Unsicherheit bestehen. Die Schweiz verhängte im August 2025 eine Strafzollrate von 39 Prozent gegenüber der USA – deutlich höher als für EU-Konkurrenten. Diese Entscheidung führte zu Umsatzeinbußen und Stornierungen, wofür Kistler Unterstützung vom Bund forderte. Der Weg zum Hightech-Unternehmen führt über die traditionelle Schweizer Uhrmacherei, ein Sektor, der zur Präzisionsfertigung beigetragen hat. Ein Beispiel dafür ist David Hiltbrunner, der als ehemaliger Uhrmacher nun bei Kistler arbeitet. Im Herbst 2025 musste sich die Konzernleitung von Kistler in den USA mit den Herausforderungen auseinandersetzen. Die Wertschöpfung wurde erhöht und Produktionsprozesse angepasst, um Zolleffekte abzufedern – ein Prozess, der sowohl kreative als auch strategische Anpassungen erforderte.