Nach Australien ist Indonesien das zweite Land, das ein Verbot sozialer Medien für Personen unter 16 Jahren implementiert hat. Jugendschutz scheint nicht das einzige Ziel der Regierung zu sein.
Ab Samstag wird in Indonesien ein neues Gesetz wirksam, das die Nutzung riskanter sozialer Netzwerke durch Minderjährige untersagt. Plattformen wie TikTok, YouTube, Instagram, Facebook oder X sowie Roblox, wo Nutzer 3-D-Welten erschaffen und interagieren können, sind betroffen. Mehr als 70 Millionen Kinder und Jugendliche könnten von dieser Regelung betroffen sein. Ein ähnliches Gesetz war bereits seit Dezember 2025 in Australien aktiv.
Das Ziel der Regierung in Jakarta ist es, die jüngere Generation besser vor Cybermobbing, Onlinebetrug sowie pornografischen und gewaltverherrlichenden Inhalten zu schützen. Kommunikationsministerin Meutya Hafid erklärte Anfang März bei der Ankündigung des Gesetzes, dass die Plattformen süchtig machen könnten. Sie betonte, dass die Regierung den Eltern helfen wolle, sich gegen mächtige Algorithmen zu behaupten.
In Indonesien hatten konservative muslimische Gruppen bereits länger für strengere Regelungen auf Social Media plädiert. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos ergab, dass fast 90 Prozent der indonesischen Befragten ein Verbot für unter 14-Jährige befürworteten – so viele wie in keinem anderen Land.
Trotz der Zustimmung gibt es Kritik am Verbot. Muhammad Andri Perdana vom Bright Institute in Jakarta äußerte Zweifel an der Durchsetzungsfähigkeit Indonesiens gegenüber ausländischen Plattformen und merkte an, dass Nutzer Wege fänden, Sperren zu umgehen. Das amerikanische Forum Reddit bleibt trotz Verbots beliebt.
Forscher von Govinsider, die Beratungsaufgaben für die Regierung übernehmen, fordern eine unabhängige Aufsichtsbehörde im Stil Australiens. Ein Verbot allein sei nicht ausreichend; es müsse auch effektiv durchgesetzt werden.
Es besteht jedoch die Sorge, dass das Verbot Präsident Prabowo Subianto ermöglicht, den kritischen Diskurs einzudämmen, da er unter Druck steht. Unter seiner Führung stiegen die Preise für Alltagsprodukte und die Arbeitslosigkeit. Im letzten Jahr kam es zu großen Protestbewegungen, die vor allem von jüngeren Leuten über soziale Netzwerke organisiert wurden.
Nicky Fahrizal von der Denkfabrik CSIS in Jakarta warnt, dass das Verbot den politischen Bildungsprozess junger Menschen durch Zivilgesellschaftsorganisationen einschränken könnte. Die Regierung habe eine sensible Reaktion auf politische Inhalte und setze verstärkt auf Kontrolle.
Usman Hamid von Amnesty International Indonesien betonte in einer Pressemitteilung, dass es darum gehe, digitale Räume sicherer zu machen, nicht Kinder auszuschließen. Social Media sei ein wichtiger Ort für junge Menschen, um ihre Meinungen zu äußern.
Mehrere Länder diskutieren aktuell über ähnliche Verbote: Österreich will soziale Netzwerke unter 14-Jährigen verbieten; Brasilien verlangt die Verknüpfung von Profilen junger Nutzer mit denen ihrer Eltern. China begrenzt Bildschirmzeiten nach Alter, und in Polen, Spanien, Frankreich sowie anderen Ländern sind ähnliche Maßnahmen geplant oder bereits beschlossen. Andere Staaten wie Deutschland oder Italien setzen auf elterliche Zustimmung für Minderjährige bei der Eröffnung eines Social-Media-Kontos.