Die Altstadt von Jerusalem, normalerweise ein belebter Ort mit zehn Millionen Touristen jährlich, bleibt seit Wochen für Besucher geschlossen. Der Grund liegt in einem Sicherheitserlass im Kontext des Krieges, der am 28. Februar begann. Nur noch Einwohner und Ladenbesitzer dürfen die Altstadt betreten, während heilige Stätten wie die Klagemauer, die Al-Aksa-Moschee und die Grabeskirche geschlossen sind. Auch im ganzen Land gelten strenge Versammlungsvorschriften. David Kalischer, ein junger orthodoxer Jude aus der Altstadt, vermisst den Gang zur Klagemauer, wo er täglich betet. Gleichzeitig bemerkt er eine friedlichere Atmosphäre im Viertel: «Vielleicht spüren die Nachbarn, dass jetzt nicht die Zeit ist für Proteste oder Konfrontationen.» Die Schließung der heiligen Stätten stößt bei Muslimen auf Unverständnis. Besonders am letzten Fastentag des Ramadan versammelten sich Hunderte vor den Toren und forderten Einlass, was zu Auseinandersetzungen mit der Polizei führte. Trotz Sicherheitsbedenken, die durch einen Raketenabschuss nahe dem Tempelberg bestätigt wurden, bleibt Abu Habib, ein arabischer Händler, unbeirrt: «Wenn es mein Schicksal ist zu sterben, dann sterbe ich eben.» Während Muslimen das Betreten der Moschee verwehrt bleibt, dürfen jüdische Gläubige in kleinen Gruppen vor die Klagemauer treten. Eliezer, ein junger Mann, findet Trost daran: «Es ist dieselbe Mauer – ein Teil drinnen, ein Teil draussen.» Auch er hat keine Angst vor Raketen. Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend für Händler wie Abu Habib, der seit Wochen nichts verkauft und die Regierung kritisiert: «Sie sperren uns ein.» Tzvi Malamud, ein Archäologe, arbeitet unter Tage nahe dem Tempelberg und bleibt vom Krieg unbeeindruckt. Gleichzeitig entfacht in der Knesset ein neuer Gesetzentwurf eine alte Kontroverse: Die Frage, wer an der Klagemauer beten darf. Der Entwurf von Avi Maoz könnte nichtorthodoxes Gebet als «Entweihung» strafbar machen und ist Gegenstand heftiger Proteste von liberalen jüdischen Gruppen. Trotz des Lärms und der Leere in den Straßen Jerusalems sind die tief verwurzelten Konflikte weiterhin präsent, nur für einen Moment verdeckt durch den Kriegslärm.