Das Geräusch von Lastwagen und der Staubnebel prägen das Bild in der über zwölf Meter hohen Lagerhalle eines Zementwerks in Tema. Ähnlichkeiten zu anderen Werken sind unübersehbar, denn hier stapeln sich Kalkstein- und vor allem Klinkerhaufen fast bis zum Dach. Da Klinker durch das Hochtemperatur-Brennen von Rohstoffen entsteht, ist er bekannt für seine CO₂-intensiven Emissionen.
Eine Besonderheit macht dieses Werk jedoch unverwechselbar: direkt daneben befindet sich eine zweite Halle mit einem natürlichen Ton aus ghanaischen Böden. Emmanuel Agbabga, Produktionsleiter, erläutert die Unterschiede beim Rundgang. Dieses Material ist der Schlüssel zur Reduzierung von Klimaauswirkungen, indem es den Klinker im Zement teilweise ersetzt.
Das Werk in Tema ist weltweit die größte Anlage dieser Art und wird von CBI Ghana betrieben, einer Tochtergesellschaft des Schweizer Unternehmens F. Scott Group. Agbabga erklärt: “Ton wird bei etwa 800 Grad erhitzt, während Klinker Temperaturen über 1400 Grad benötigt, wobei Ton wesentlich weniger Kohlenstoff freisetzt.”
Obwohl die neue Technologie nicht emissionsfrei ist und weiterhin etwas Klinker verwendet wird, verspricht sie eine Reduzierung der CO₂-Emissionen um bis zu 40 Prozent im Vergleich zu konventionellen Werken.
Mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Millionen Dollar stellt sich die Frage nach wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Frédéric Albrecht, Geschäftsführer, zeigt sich optimistisch: “Indem wir den teuren importierten Klinker durch lokal gewonnenen Ton ersetzen, stärken wir unsere Wettbewerbsfähigkeit.”
Der Zementmarkt in Westafrika wächst jährlich um bis zu zehn Prozent und ist zunehmend hart umkämpft. Preisaufschläge für den klimaschonenderen Zement sind jedoch nicht möglich, wie Albrecht betont. Er hofft auf Einnahmen durch CO₂-Zertifikate: “Durch den Verkauf der eingesparten Treibhausgase könnten wir zusätzlich profitieren und so die Technologieverbreitung beschleunigen.”
Derartige Gespräche über Zertifikate finden aktuell mit Partnern, auch aus der Schweiz, statt. Das Werk in Tema fungiert als Pilotprojekt: Sollte sich die neue Technik hier bewähren und marktreif sein, steht einer Nachahmung durch andere Anlagen nichts im Wege.