Andreas Brunner war als Leitender Oberstaatsanwalt weitläufig bekannt und prägte die Zürcher Strafverfolgungsbehörden nachhaltig. Seine schnelle Beförderung sorgte anfangs für Missfallen bei einigen, doch hinterließ er einen bleibenden Eindruck. Ein Nachruf. Der Jurist Brunner hatte ursprünglich eine Affinität zum Zivilrecht und promovierte arbeitsrechtlich bei Manfred Rehbinder in Zürich. Der Weg zur Strafverfolgung begann zufällig nach einem Praktikum bei der Bezirksanwaltschaft, welche damals als untere Strafverfolgungsbehörde fungierte; daraufhin blieb er dem Strafrecht treu. Seine Karriere verlief steil: vom Bezirksanwalt zum Staatsanwalt und schließlich 2005 zum Leitenden Oberstaatsanwalt. Brunner, politisch parteilos – was ungewöhnlich war, da die damaligen Volkswahlen von Parteizugehörigkeit abhingen – sah dies als Ausdruck seiner Unabhängigkeit an; diese Entscheidung schloss eine spätere Richterkarriere aus. Markus Nottersass, ehemaliger SP-Regierungsrat und Direktor der Justiz und des Innern (1996–2011), begegnete Brunner nach dessen Amtsantritt. Ihre erste Begegnung war angespannt; Nottersass betrachtete Brunners Tätigkeit im Verwaltungsrat einer Familien-AG als unvereinbar mit seiner Rolle als Staatsanwalt – eine Sichtweise, die Brunner nicht teilte. Diese Spannung hielt jedoch nicht lange an. Nottersass erkannte rasch Brunners Eignung für die Reorganisation der Strafverfolgungsbehörden. Brunner war offen für Neuerungen und sah das Bedürfnis nach Umstrukturierung, blieb dabei aber eigenständig in seinen Entscheidungen. Als Leiter einer Arbeitsgruppe übernahm er eine Schlüsselrolle bei der neuen Organisationsstruktur und wurde unabhängig von seiner Dienstzeit Mitglied der Geschäftsleitung. Diese „Express-Beförderung“ stieß auf Kritik, war aber entscheidend für den Erfolg der Reorganisation. Brunner pflegte kollegiale Beziehungen innerhalb der Organisation und nutzte sein großes Netzwerk effektiv. Seine bedeutende Leistung sah er in der Schaffung einer modernen Organisations- und Führungsstruktur der Strafverfolgung. Sein Engagement für den Opferschutz bei Kindern, gegen häusliche Gewalt sowie seine Bemühungen um eine angemessene Regelung der Suizidhilfe verdienen Erwähnung. Trotz Unterstützung für die Suizidhilfe verlangte er hierbei klare Sicherheiten hinsichtlich Urteil- und Handlungsfähigkeit. Brunner genoss Theater und Oper, immer mit einem Buch in der Hand – ein Zeichen seines intellektuellen Hintergrunds. Nottersass wird die gemeinsamen Debatten mit ihm vermissen. Andreas Brunner ist am 6. April verstorben.