In der Schweiz bleibt die Arbeitslosenquote konstant bei drei Prozent. Gleichzeitig plant man eine weitere Verlängerung des Kurzarbeitergeldes, da auch im Gesundheitswesen eine hohe Anzahl an Stellensuchenden zu verzeichnen ist, wie Jerôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), berichtet.
Jerôme Cosandey leitet seit dem 15. Mai 2025 die Arbeitsdirektion des Secos. Davor war er über 13 Jahre bei Avenir Suisse tätig, zuletzt als Forschungsleiter für Sozialpolitik und Direktor der Romandie ab 2018. Zwischen 2005 und 2009 arbeitete er in leitender Funktion im Wealth Management der UBS. Cosandey ist promovierter Maschinenbauingenieur der ETH Zürich mit einem Master in internationaler Wirtschaftsgeschichte von der Universität Genf.
SRF News fragte nach den Gründen für die stagnierende Arbeitslosigkeit trotz des Frühlingsbeginns. Cosandey erklärte, dass globale Unsicherheiten wie Krisen im Nahen Osten und unklare Handelsabkommen Firmen zur Zurückhaltung bei Neueinstellungen bewegen. Die Arbeitslosenzahlen sanken demnach schwächer als erhofft, was angesichts der aktuellen Unsicherheit nicht überraschend sei.
Der Bundesrat muss entscheiden, ob er die Dauer der Kurzarbeit auf 24 Monate verlängern soll. Cosandey betonte, dass dies eine ungewöhnliche Massnahme darstellt, da normalerweise nur 12 Monate vorgesehen sind. Die Verlängerung reflektiere anhaltende Krisen in China und den USA sowie jüngste Entwicklungen im Nahen Osten.
Es wird vermutet, dass auch Akademiker vermehrt von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Cosandey wies darauf hin, dass die absolute Zahl der arbeitslosen Hochschulabsolventen zwar steigt, dies jedoch vor allem durch den allgemeinen Anstieg der Abschlüsse bedingt sei. Die Quote zeigt weiterhin ein deutlich niedrigeres Risiko für akademische Arbeitslose.
Im Gesundheitswesen herrscht trotz Fachkräftemangels keine unterdurchschnittliche Arbeitslosigkeit in Bereichen wie der Pflege. Cosandey erklärte, dass dieser Mangel strukturell ist und ein „Mismatch“ zwischen den Anforderungen der Arbeitgeber und den Möglichkeiten oder Wünschen der Stellensuchenden besteht.
Eine Studie zeigt eine Zunahme der Jobsuche in KI-exponierten Berufen. Cosandey sieht hier keine drohende „Robokalypse“. Er betonte, dass sich Tätigkeitsprofile verändern werden, aber nicht die Berufe selbst verschwinden. Langfristig könnte KI helfen, den Fachkräftemangel zu mildern.
Das Gespräch führte Karoline Arn im Tagesgespräch am 08.04.2026 um 13 Uhr; srf/stal;hosb;noes.