Für ein Jahr wird Ivo Bieri, ein 41-jähriger Sozialdemokrat mit einer gewissen Unabhängigkeit von seiner Partei, das Stadtparlament von Zürich leiten. Das links orientierte Zürcher Parlament, welches sich gerne als abwechslungsreicher roter Stern in einem bürgerlichen Universum sieht, hat den Sozialdemokraten mit 104 Stimmen gewählt.
Bieri, der nun das höchste Amt in der Stadt innehat, enthüllte in seiner Antrittsrede sein ungewöhnliches Hobby: Er ist ein „Trekkie“, ein begeisterter Anhänger von ‘Star Trek’, einer Science-Fiction-Serie. Diese Faszination für die Idee eines Zusammenschlusses verschiedener Wesen in der Vereinten Föderation der Planeten sieht er als Modell für den 125-köpfigen Gemeinderat, wo es auf Verhandlungsbereitschaft und gegenseitiges Zuhören ankommt. Bieri betonte dabei die Wichtigkeit, nicht allein im Besitz der Wahrheit zu sein.
Mit diesem extraterrestrischen Vergleich kritisierte er implizit das oft unversöhnliche Verhalten zwischen politischen Fraktionen im Gemeinderat. Er wünscht sich für seine Amtszeit mehr Offenheit und nutzte ein Zitat seiner Lieblingsserie: ‘to boldly go where no one has gone before’ – kühn Neuland zu betreten, ob es nun den Austausch mit anderen Parteien oder das Akzeptieren von gegensätzlichen Argumenten betrifft.
Bieri ist dafür bekannt, seine Prinzipien in die Tat umzusetzen, wie seine gemeinsamen Vorstösse mit Mitgliedern anderer Fraktionen zeigen. Zudem steht er nicht immer hinter den Ansichten seiner eigenen Partei, der starken SP. So sprach er sich gegen ein von linken Kreisen gefordertes Werbeverbot aus, was er als gravierenden Eingriff in die lokale Wirtschaft und als Schaffung unnötiger Bürokratie betrachtet. Auch bei den Hochhausrichtlinien vertritt er eine andere Meinung.
Bieri, der im Kreis 7 mit seinem Ehemann lebt, verkörpert damit sowohl einen typischen als auch einen ungewöhnlichen Sozialdemokraten. Nach seiner Wahl bedankte sich Bieri, passend zu einem weiteren ‘Star Trek’-Zitat: ‘Vielen Dank und live long and prosper!’ Er ist nun einer von 31 neu gewählten Gemeinderäten, mit Christian Traber (Mitte) und Sebastian Zopfi (SVP) als seine Stellvertreter.