Unter tragischen Umständen kam Jean-Raoul Austin de Drouillard als Kind aus Haiti nach Basel, wo er aufwuchs. Sein autofiktionaler Roman «Im falschen Leben» sollte Anfang Mai in deutscher Sprache erscheinen. Kurz darauf verstarb der Autor am 28. April im Alter von 83 Jahren.
Der Basler Lenos Verlag hatte den Erscheinungstermin des Romans «Im falschen Leben. Eine Jugend» für den 4. Mai angekündigt, musste jedoch nur wenige Tage später mitteilen, dass der Autor Jean-Raoul Austin de Drouillard nach kurzer schwerer Krankheit verstorben sei. Geboren wurde er am 23. Dezember 1942 in Port-au-Prince.
In seinem Werk schildert der Autor die Geschichte eines Jungen aus Haiti, dessen Eltern während der Herrschaft des Diktators François Duvalier in den 1950er Jahren bei einem brutalen Überfall getötet wurden. Ein Freund seiner Familie rettete ihn, damals sechs Jahre alt, nach Schweiz. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Basel, aufgezogen in großbürgerlich-jüdischen Verhältnissen im Haus Schöneck in der Altstadt.
Über die Ereignisse in Haiti wurde geschwiegen. Der Junge empfand sich als Opfer grenzenloser und verwöhnender Liebe seines Beschützers, während ihm das jüdische Erziehungsideal fremd blieb – geprägt von humanistischen Bildungsinhalten und sportlichen Aktivitäten.
Seine Jugend war von einem seelischen Trauma gezeichnet, begleitet von der Suche nach Identität und kultureller Heimat. Mit bissigem Humor begegnete er alltäglichem Rassismus, widerstand übergriffigen Beziehungen und verfolgte unabhängig seine Ziele.
Die Geschichte des Romans entspricht den Grundzügen der Autobiografie. In den 1970er Jahren studierte Jean-Raoul Austin de Drouillard in Deutschland Französische Sprach- und Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie. Seine akademischen Wege führten ihn weiter nach Kanada, Frankreich und Basel. Beruflich wirkte er als Universitätslehrer und Forscher in verschiedenen Ländern wie Frankreich, Kanada und Botswana.
In seinen letzten Jahren lebte der Autor in Botswana, Kanada und zeitweise wieder in Basel, wo er auch verstarb. Kurz vor seinem Tod hielt er noch persönlich den frisch gedruckten Roman in Händen.