Das weltweit führende Unternehmen im Live-Entertainment-Sektor, Live Nation, sowie seine Tochtergesellschaft Ticketmaster, erlitten eine juristische Niederlage. Dies könnte tiefgreifende Auswirkungen auf die Musikbranche haben und zu einer Zerschlagung des Konzerns sowie niedrigeren Ticketpreisen führen.
Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta bezeichnete den Ausgang als “historischen Sieg” für Künstler, Fans und Veranstalter. Ein Geschworenengericht in New York befand Live Nation und Ticketmaster des illegalen Monopolisierens schuldig. Die Unternehmen nutzten ihre Marktmacht, um Wettbewerber aus dem Markt zu drängen, Preise zu erhöhen und Abhängigkeiten zu fördern.
Seit der Fusion von Live Nation und Ticketmaster im Jahr 2010 steht das Unternehmen unter starker Kritik. Die Genehmigung dieser Fusion durch das US-Justizministerium erfolgte unter der Auflage, dass Live Nation zehn Jahre lang keine Diskriminierung gegen Konzertveranstalter vornehme, die andere Ticketanbieter nutzen. Das Geschworenengericht stellte jedoch fest, dass diese Bedingungen nicht eingehalten wurden.
Im November 2022 kam es bei der Verkaufsstartphase für Taylor Swifts “Eras”-Tour zu erheblichen Problemen, darunter lange Warteschlangen und Serverausfälle. Live Nation gab an, dass die Webseite durch hohe Zugriffszahlen überlastet wurde. Dies führte zu Kongressanhörungen und der Entwicklung von Gesetzesvorhaben zum Verbraucherschutz.
Im Jahr 2024 reichte das US-Justizministerium eine Klage gegen Live Nation ein, unterstützt durch zahlreiche Bundesstaaten. Der Vorwurf lautete: Der Konzern beherrsche große Teile der Branche von Ticketvergabe über Buchungen bis hin zur Veranstaltungsorganisation und benachteilige Fans, Künstler sowie Veranstalter.
Im März dieses Jahres einigte sich Live Nation außergerichtlich mit dem Justizministerium. Nach Angaben der “New York Times” verpflichtete sich das Unternehmen dazu, Ticketverträge zu ändern, um die Nutzung alternativer Anbieter durch Veranstaltungsorte und Künstler zu ermöglichen. Zudem bot es bis zu 280 Millionen Dollar Schadenersatz an. Ein Bündnis von Bundesstaaten, darunter Kalifornien, führte jedoch die Klage fort und gewann.
Das Urteil könnte Live Nation und Ticketmaster Hunderte Millionen Dollar kosten. Die Jury schätzte, dass Kunden pro Ticket um 1,72 Dollar übervorteilt wurden. Live Nation rechnet mit Schadenersatzzahlungen von bis zu 350 Millionen Dollar, da 257 Veranstaltungsorte betroffen sind. Der genaue Betrag steht noch aus.
Neben finanziellen Strafen und strukturellen Auflagen droht dem Konzern möglicherweise die Zerschlagung – eine Maßnahme, die bereits bei der Klageeinreichung 2024 gefordert wurde. New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James kritisierte, dass Live Nation und Ticketmaster zu lange Fans und Künstler ausgenutzt hätten.
Der Konzern bestreitet die Vorwürfe. Während des siebenwöchigen Prozesses betonte er, in einem intensiv umkämpften Markt lediglich aggressiv, aber legal agiert zu haben. Live Nation bestritt auch, Veranstaltungsorte unter Druck gesetzt zu haben, um Ticketmaster-Verträge durchzusetzen. Ticketmaster sei Marktführer dank seiner leistungsstarken und zuverlässigen Plattform.
Die Auswirkungen des Urteils auf den Schweizer Musikmarkt sind noch ungewiss. Live Nation ist seit Jahren auch in der Schweiz aktiv, mit einem Sitz in Zürich sowie Beteiligungen an der Mainland Music AG, die Festivals wie das Open Air Frauenfeld und das Gurtenfestival organisiert. Der Konzern bringt regelmäßig internationale Stars in Schweizer Stadien.
Kurzfristige Auswirkungen des “historischen Siegs” auf Künstler, Fans und Veranstaltungsorte sind noch nicht absehbar. Live Nation plant Anträge einzureichen, die Haftungsfragen und Schadenshöhe beeinflussen könnten. Sollten diese abgelehnt werden, beabsichtigt das Unternehmen, in Berufung zu gehen.