Im Zusammenhang mit den behaupteten “safari umani” während des bosnischen Konflikts von 1992 bis 1995 gibt es derzeit keine Hinweise auf das Engagement schweizerischer Staatsbürger oder laufende Ermittlungen gegen sie. Die damalige Bundespolizei war zwar über Verdachtsmomente informiert, jedoch ohne konkrete Beweise, wie aus einer Stellungnahme des Bundesrates zur Interpellation von Simone Gianini (PLR/TI) hervorgeht. Er betont zudem, dass Italien keine Anfrage nach justizieller Hilfe im Hinblick auf ein mögliches schweizerisches Engagement in diesen kriminellen Aktivitäten gestellt hat.
Die Interpellation des Tessiner Nationalrats basiert auf der Eröffnung einer Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft Mailand, ausgelöst durch eine Anzeige des Schriftstellers Ezio Gavazzeni. Laut ihm existierte zwischen 1992 und 1995 während der Belagerung von Sarajevo ein organisiertes System. Darin sollen ausländische Bürger gegen hohe Bezahlungen zu Waffenständen auf den Hügeln gebracht worden sein, um auf unbewaffnete Zivilisten zu schießen – ein Phänomen, das Gavazzeni als „safari umani“ beschreibt. Unter diesen „Wochenend-Scharfschützen“ hätten sich auch Schweizer Bürger befunden, wie Gianini anhand von Zeugenaussagen Gavazenis ergänzt.
Zur damaligen Kenntnis der schweizerischen Behörden erklärte der Bundesrat: “Die ehemalige Polizei des Bundes hatte Hinweise erhalten, die sie gemeinsam mit den Kantonspolizeien und dem Grenzwachtkorps geprüft hat. Jedoch wurden keine konkreten Fälle identifiziert oder Anzeichen eines organisierten ‘Söldnerwesens’ festgestellt.”